Eben im Hinterhof

Jeder, der im Westen Hamburgs sich für ein Fahrrad interessiert, kommt früher oder später in diesen verwunschenen Hinterhof, wo auch das Hamburger Geburtshaus ist, und eben der beste Fahrradladen.

Eine Familie, Mann, Frau und Sohn, ca. 6 Jahre gehen entspannt vom Laden zur Strasse. Der Junge tanzt um seinen Vater herum und singt immerzu “Papi, Du Dickwurst”. Seine Frau spricht nur mit ihrem Blick. “Siehste, nun sagt das schon Dein Sohn”, sagt sie mit den Augen. Nein, eigentlich ist es ein Rufen.

Ich wechsele meine Richtung und gehe auf den Mann zu. Ich würde ihn jetzt gerne umarmen.

Ottenser Marktplatz – mit Leben erfüllen

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Die im Dreieck angepflanzten Kastanien blühen am Ottenser Marktplatz und hüllen ihn in dichten Halbschatten. Das Gras hat wenig Chancen gegen die festgetrampelte Erde. Und seit über zehn Jahren hat dieser Platz keinen Zweck mehr. Er ist ihm abhanden gekommen, irgendwo zwischen Hundetoillette und Touri-Parkplatz.

Heute sitze ich mit einem neu erworbenen Klappstuhl vom nahen Möbelhaus Konus und der Wochenendausgabe des Hamburger Abendblatt unter einer Kastanie und lese. Ernte dabei komische Blicke. Muße und Verweilen kennt dieser Platz nicht, nur das leise Modern von Laub in dem verwachsenen Kunstwerk in seiner Mitte.

Aber wie kann man das ändern? Die Kunstaktion zur Altonale letztes Jahr war schonmal ein Anfang. Vielleicht setzt sich ja einer zu mir. Klappstuhl bitte mitzubringen.

Du weisst, Dein Viertel wird gentrifiziert, …

Wenn:

  • Deine Nachbarn dich verklagen, statt Dir Schläge anzudrohen
  • Menschen über 40 den ganzen Sommer in Schlappen herumlaufen.
  • Auf BMWs und SUVs vor Deiner Tür “St. Pauli Aufkleber” prangen. Oft neben dem der örtlichen internationalen Schule.
  • Kinder nicht laufen, sondern in Wagen gefahren werden, die soviel kosten, wie Dein Auto.
  • Zunehmend schwäbisches statt anatolisches Deutsch gesprochen wird.
  • Hip-Hopper weg, Pop-Hopper hinziehen. (Und Du Platten von ihnen im Schrank hast (Never mind Fettes Brot ;) )
  • Nur die pensionsreifen Lehrer_innen an der Grundschule Deiner Kinder noch im Viertel wohnen.
  • Die Selbsthilfe-Werkstatt in ein Industriegebiet zieht
  • Starbucks
  • Statt Vereinsemblemen, die Menschen “North Face” auf ihren Jacken tragen.

… und Dir wird klar, dass Du Teil dessen bist, wenn Du bei einem Fair-Trade Rebellencaffee diese Zeilen in Dein Ipad tippst.

Wir feiern Schwulenhochzeit

Am Ottenser Marktplatz wehen seit der Altonale pinke Fahnen aus den Häuserfenstern. Übrig geblieben von einer Aktion des Kaufladens Konus. Unabgesprochen lassen die meisten ihre Fahnen weiter hängen. Sieht schön aus – und führt zu lustigen Nachfragen von Touristen (von denen wir viele haben inzwischen) und Spaziergängern.

Ob das eine Demo wäre, oder Kunst? Gestern hielt ein älterer Herr vor unserem Haus und fragte, ob wir hier eine Schwulenhochzeit feiern würden. Die Vorstellung, dass wir in unserem Haus endlich mal wieder eine Hochzeit feiern, gefiel mir so gut, dass ich mir vorgenommen habe, das nun immer zu antworten, wenn mich jemand fragt, was die pinken Fahnen an unseren Häusern zu bedeuten haben. “Wir feiern Schwulenhochzeit – alle die hier wohnen”*.


* der Autor ist bekennend heterosexuell

Frau Sue

Lili Su

Geht man in Ottensen unter der Woche Caffee trinken, wie bspw. im Lilli Sue, dann könnte man meinen, die Welt wäre von Frauen bevölkert. Jungen-Mütter, die die Kunst des gleichzeitigen Tratschens, Essens und Tätschelns beherrschen. Mittelalte Frauen in langen Gesprächen über alltägliches.

Kein Mann ausser mir. Alle weiß, so weiß, wie Omas Küchenmöbel, die so teuer gehandelt werden neuerdings.

Ich warte auf Peter, der bleibt aus. Nehme ich noch ein “Es lebe das Wasser”-Wasser mit Bio-Most? Oder nehme ich den Rebellencaffee mit nach Hause und schaue Fukushima? Ist merkwürdigerweise gar kein Thema hier. In Bullerbü.

16:00 Uhr, die Kinder werden weniger und älter. So wie die Frauen auch. Ich bleibe noch.

Stadtteilblogs ohne Wumms

Ich habe mir nu mal die Stadtteilblogs des Hamburger Abendblattes angesehen – und finde wenig, was mich zum Wiederkommen einlädt. Kurze Texte und Fotos aus Ottensen, Allerwelts-Nachrichten aus St. Pauli, wenig Meinung, keine Links in die Hamburger Blogsphäre, kaum Diskussionen. So wird das nix, außer langweilig.

“Sicher ist, dass die Türme am Eingang zur Reeperbahn das Gesicht von St. Pauli prägen und verändern werden.”

Ich vermisse vor allem echte Geschichten aus einer Hamburger Wirklichkeit, die nicht jeder kennt. Weniger Schanze, mehr Moorwerder. Weniger Hip-schick aus Ottensen, mehr Schichtarbeit aus Wandsbek.

Temporäre Biotope in Ottensen

Wenn sich Menschen zurückziehen müssen, endgültig aus ihren Wohnungen, um dann später Stadtvillen Platz zu machen ist das eine traurige Angelegenheit, und in Hamburgs Stadtteilen Ottensen, St. Pauli und im Schanzenviertel guter Grund für Widerstand. In diesem Haus Anfangs der Bahrenfelder Straße zögert sich der Abriss schon eine Weile hinaus. Leben tun dort keine Menschen mehr, sondern, wie man hört, ganze Generationen von Schimmelpilz-Kulturen. Continue reading “Temporäre Biotope in Ottensen”

Cafe-Test (2): Doppelter Espresso im Klamottensen

Das Café Klamottensen in Ottensen habe ich schon einmal vorgestellt, nun kommt der Caffee an die Reihe. Der doppelte Espresso ähnelt von außen eher einem spanischen Cortado, und er schmeckt auch so. Ein wenig rauchiger und schärfer gebrannt, als sein italienischer Cousin. Nichts für Ottenser Szenemütter, die fnidet man dann auch woanders. Mir hats geschmeckt – und ein Plausch unter Apple-Nutzern hat man hier auch regelmäßig.

Klamottensen – von Textilien nach Galaoistan

Das richtige Geschäftsmodell zu finden ist ja auch eine Kunst, weswegen sich der Laden “Klamottensen” nicht nur deshalb als Beitrag zur Kunst-Altonale verstehen könnte.

“Wir sind jetzt ein Café” ist die schnörkellose Benachrichtigung, dass die Importware statt getragen nun getrunken wird.

Bunte Stühle an der “Kleinen Rainstrasse” zeugen davon. Der Espresso ist satt und kräftig, das W-LAN free – die Mädchenkleider hängen an der Wand.

Kunst am Ottenser Marktplatz

Der Sommer kommt dieses Jahr von Norden und so kommt es, dass ich bei einem Abendbrot vor dem Imbiss meines indischen Nachbarn sitze (der eigentlich aus Afghanistan stammt, aber das ist eine andere Geschichte).

Am Ottenser Marktplatz, dem einzigen Hundeklo mit Springbrunnen, hängen seit heute Vorboten der Altonale. Kunst. Grüne Leuchter, die von den bauschigen Kastanien herabhängen.

Es ist erstaunlich, wieviel man sich vorstellen kann, sofort, nur durch sie inspiriert. Eine Versammlungsstätte unter Bäumen schwebt mir vor Augen. Die parkenden Autos drumherum stören jetzt schon fast schmerzhaft.

Eine gefährliche Verheißung urbaner Natürlichkeit, ein sich-auf-den-Weg- machen, die gute Nachbarschaft am Markt nach draußen zu locken.

Es ist Sommer in Hamburg. Seit heute Abend.

Ottensen: umzingelte Idylle

Es gibt sie noch, die verwunschenen Ecken in Ottensen. Über Jahrzehnte gewachsene Lebensranken, manchmal in Flieder, oft in Revoluzzerrot, die an eine Zeit erinnern, in der in Altona alternatives Leben einzog. Pragmatisch anti-kapitalistisch, multikulti und irgendwie behäbig batisch.

Gegenüber von Carlottas portugiesischem Cafee führt eine kleine Stichstrasse zum Spielplatz “an der Motte”, auch so ein Rudiment des bunten Altona. Ein wenig, wie die alte Flora, nur friedlicher und damit kulturell aktiver.

An der rechten Seite dieses kurzen Weges liegen zwei Überbleibsel der bewegten Schiffahrtsgeschichte Altonas, ein Schiffsausrüster und das dazugehörige Kapitänshaus. Ich kenne keinen, der Sommers, auf dem Hin- und Rückweg vom Spielen, nicht neidisch in diese Oase gelinst hat. Nun liegt sie im Schatten.

Gegenüber wird gebaut. Lofts, Lifts und Stadtvillen für Preise, die spanischen Immobilienhändlern noch die Schamesröte ins Gesicht pressen würden. Die Idylle ist umzingelt.

Wenn ich das recht mitbekam, dann sind die Bewohner des Kapitänshäuschens geflohen. An ihrer Statt leben dort nun Neu-Ottenser. Die zumindest werden sich an die Enge und den Schatten gewöhnen müssen. Es ist ein anderes Ottensen in das sie ziehen. Eines, das für viele langsam kaputt geht, trotz der sich wehrenden Rankpflanzen, die gerade nach diesem frischen Mai so herrlich blühen.

Ottensen Stadtvilla Baustelle

Bullerbü in Ottensen – Familienleben im Szenestadtteil

Eine Stunde haben wir uns unterhalten. Über Kinder, Kinderlärm, Mütter mit eingebauter Vorfahrt, selbstfokussierte Pop-Spießer und das gar nicht so alternative Leben im Szene-Stadtteil Ottensen. Sabine Eichhorst war ein wenig spät dran, hatte den Gänsemarkt mit dem Großneumarkt durcheinander gebracht, sodass wir uns ein wenig sputen mussten. Ein feines, interessantes und angeregtes, zeitweise diskursives Gespräch ist es geworden.

Zwei Sätze von mir, so genannte O-Töne, haben es dann in die NDR.info Dokumentation “Lokalzeit” geschafft. Was für ein Aufwand, denn ich nehme an, für die anderen Interviewten hat sie sich ebenso lange Zeit genommen. Gutes altes Radio.

“Der Hamburger Stadtteil Ottensen wird von Familien erobert: In den Cafés stehen die Kinderwagen, der Bürgersteig wird zum Spielplatz. Sieht so das neue Bullerbü aus?”, fragt sie darin, und schon die Formulierung bestätigt den Eindruck aus unserem Gespräch; wir sind in vielen Punkten anderer Ansicht. Wie immer ist es ein wenig schade, dass von so einem intensiven Interview so wenig übrig bleibt, hineingegossen allerdings in eine gut produzierte und ausgewogene Reportage.

Anzuhören per Podcast – und ausgestattet mit einer Menge Zeit.

Treppenhaus-Gezwitscher (Twitter analog) (2)

Es ist eine Art “toter Briefkasten” von Menschen, die zusammen leben (in einem Haus nämlich), sich aber den Tag über nicht, oder nicht oft begegnen. Das Treppenhaus, genauer der Platz an der Briefkasten-Reihe, an dem jeder täglich vorbeikommt und an dem außer den schwer leserlichen Notrufnummern für Klempner und Elektriker auch wichtiges, banales und provokantes angepinnt wird. Meist, um Nachbarn darauf vorzubereiten, dass es am Wochenende ein wenig lauter zugeht (“… wenn ihr Lust habt kommt doch auch gerne vorbei” ist bei uns durchaus sympathisch und ehrlich gemeint). Manchmal aber auch, um kleine Geschichten über Mißverständnisse und Ärgerlichkeiten auszutauschen.

Wir sind fast ein Drei-Generationen-Haus – nur, dass wir nicht miteinander verwandt sind. Wir haben ältere Eltern, Omas und ganz junge Mütter – die mit der eingebauten Ottenser-Vorfahrt. Lustigerweise sehe ich gestern Abend diesen Zettel (oben) und danach eine Folge von Ugly Betty, in der Betty in ihrem New Yorker Appartment eine Karaoke-Party mit ihren Nachbarn feiern will. Im Treppenhaus alte Zettel an genau der gleichen Stelle, wie bei uns. Mit drohenden Hinweisen an den Zeitungsdieb und vergilbte Info-Blätter. Hier hängt Betty ihre Einladung auf – und erntet ein dickes “DIE” auf ihren Treppenhaus-Tweet.

Das scheint ein universelles menschliches Prinzip zu sein, das Treppenhaus-Zwitschern – nur, dass es bei uns noch friedlicher zugeht, als in Manhattan.

20 Jahre Gentrification #Ottensen

Konkrete Anzeichen einer Gentrification-Entwicklung macht auch Tobias Behrens, Geschäftsführer des Stadtteilzentrums „Motte“, in seinem bislang bunt durchmischten Stadtteil Ottensen aus. Die Ladenmieten, berichtet Behrens, seien so abrupt gestiegen, daß es ihm seit Monaten nicht gelinge, Räume für einen dringend benötigten Kinderladen anzumieten. Die ersten türkischen Familien wanderten wegen steigender Mieten in ärmere Viertel ab. „Aus jeder Hundehütte“, sagt der Stadtteilkenner, „wird ein Appartement gemacht.“

aus dem Spiegel, 1988!

Nun frage ich mich, bin ich einer dieser “neuen Städter”? Oder eine Art kulturelles Zwischenwesen, das sich emotional noch im Alten Altona wähnt, wenn ich gegen IKEA in Altona bin?

“Bœrnehof” – Geocache angelegt

Virtual Geocache Cayman IslandNachdem wir letztes Jahr durch Freunde angesteckt wurden und erste Geocaches fanden, haben wir uns jetzt unseren ersten eigenen gebaut und versteckt.

“Bœrnehof” haben wir ihn getauft, weil er in der Nähe des Geburtshauses Hamburg in Ottensen liegt.
Ich freue mich auf eure Logs, viel Spaß beim suchen. :)

GC1ZDFQ
Geocode (Google Maps): 53.548369,9.933263

Location:
N 53° 32.891 E 009° 55.967
UTM: 32U E 561802 N 5933658

In Hamburg, Germany Continue reading ““Bœrnehof” – Geocache angelegt”

StadtRAD Hamburg – fehlen nur noch Räder

stadtrad-hamburg-terminal

“Nun machen die unsere Parkplätze zu digitalen Groschengräbern”, das war die am häufigsten zu hörende Befürchtung in meiner Nachbarschaft, als vor ein paar Wochen ein lebloser Terminal am Ottenser Marktplatz auftauchte. Nun steht fest, es wird kein Parkautomat, sondern eine StadtRAD-Station. Die Schläuche an den Pfeilern da hinten sind auch keine Luftpumpen, sondern Schlösser. Continue reading “StadtRAD Hamburg – fehlen nur noch Räder”

Du bist Sankt Pauli

St. Pauli

Das Seemannsviertel Sankt Pauli, das mir mein Großvater beschrieben hat, gibt es schon lange nicht mehr. Die schmuddelige Amüsiermeile, auf der sich Nussnougat-Luden gegenseitig Messer in den Bauch rammten und die meine Jugenderinnerungen an das “TOP10” und die “St. Pauli Champs” bestimmten, auch nicht.

Auf den ersten Blick kein Grund zum trauern, auf den zweiten verliert dieser Stadtteil seine Seele, geprägt durch die Menschen, die sich in diesem Milieu mit Suff, Herz und Humor über Wasser halten mussten – bis heute. Continue reading “Du bist Sankt Pauli”

Ottenser Kinderwagen-Skandal: Genevieve’s eingebaute Vorfahrt

Lilli Su Ottensen Cafe

Junge Eltern sind merkwürdige Geschöpfe. Immer müde und mit einem stoischen Stolz ausgestattet, der ihnen sowas, wie eine heilige Aura verleiht. Meinen sie zumindest. Ich weiß das, weil ich sie selber hatte, diese eingebaute Vorfahrt auf dem Gehweg, das Recht auf saubere Luft und Platz für mein Kind.

Das mit der Luft ist seit dem Rauchverbot besser geworden. Über den Platz mokieren sich jetzt heilige Kühe im Hamburger Abendblatt. Continue reading “Ottenser Kinderwagen-Skandal: Genevieve’s eingebaute Vorfahrt”

Ottensen: “Wenn der Gemüse-Türke an der Ecke aufgibt …”

Kein Türke mehr an der Ecke in Ottensen

… dann stirbt etwas wertvolles.

Die Immobilienblase in Spanien ist geplatzt. Geisterhaft stehen da Häuserlandschaften neben halbfertigen Golf-Resorts. Doch funktionieren tut das seelenlose investieren immer noch. Nach dem Dahinscheiden von einzigartigem Einzelhandel in Ottensen, wie der Altonaer Blume, dem Austausch des Zardoz-Plattenladens mit einem System-Kaffee-Brüher, schreitet das Sterben Ottensens immer weiter voran.

Wo früher second-hand-Spitze seine Zuflucht fand, enstehen heute Eigentumswohnungen. Dort ziehen Menschen ein, die eben im Mercado lieber Fossil-Schmuck kaufen, in einem Einkaufzentrum, das sich anfühlt, wie in Essen, Kopenhagen oder Amsterdam. Köln, Berlin oder Paris. Einerlei Einheitsbrei.

Pikant, wenn davor sich der direkt gewählte Bürgerschaftsabgeordnete Bülent Ciftlik zum Gespräch bereit stellt. Auf einem Marktplatz, der überall sein kann demnächst. Zumindest, was die Läden angeht.

Immerhin, der Banjo-Spieler ist noch da!

Hände Weg von Ottenser Kleingärten

hände wegUnter dem etwas sperrigen Namen “Apfelbaum braucht Wurzelraum” kæmpfen Ottenser Bürger für den Erhalt der historischen Kleingärten auf den Othmarscher Weiden. Wie schon das Stadion des Altonaer FC v. 1893 und das bereits gerissene Bismarckbad sind diese Flächen schon seit langer Zeit im Visier der Immobilien-Klique Hamburgs. Ottensen stirbt.

Ausgerechnet, und wie schon im Bezirk bei der Verscherbelung des Bismarckbades wieder einmal, wird wohl eine Regierung mit GAL-Beteiligung das Projekt politisch im Sinne der Baulöwen vorantreiben. Die Rendite scheint einfach zu hoch, der Widerstand zu gering, als dass er politisch wahrgenommen würde.

Ausgerechnet unter Federführung der grünen Senatorin Hajduk werden die Planungen genau nach den Vorgaben der Handelskammer weiter geführt!
Wie schon früher geplant sollen die Kleingärten verscherbelt werden, um den Luxusdeckel für Othmarschen zu finanzieren.

Nicht mit uns!

Zwei Helle für Hellas

Hellas

Gestern Abend platzten alle Griechen in Ottensen aus allen Nähten. Zum Trauertourismus hatten sich viele Altonaer verabredet, wollten bei Souvlaki in Metaxasauce das Aufbäumen der Griechen sehen und dabei gemütlich Abendessen. Es folgte der Absturz vom Olymp der Arroganz. Dumm – anzunehmen, man könnte mit einer vier Jahre älteren Truppe eine vier Jahre alte Scharade noch einmal spielen.

Das ging gehörig in die Hose. Der Wirt, so der Trost des Abends, hatte so viel zu tun, dass er von dem Elend reichlich wenig mitbekam. Noch in der 91. Minute sang er herrlich schief: “we are the champions”. Das war der beste Zeitpunkt, die Rechnung zu ordern.

Nach zwei Ouzo Schmerzmittel verließ ich den Ort der Schmach, innig hoffend, dass Jogi Löw doch noch den Mut findet das Mittelfeld auseinanderzubauen und neu zusammenzusetzen (Hitzelsberger!). Zu unser aller Überraschung dann. Das Sommermärchen nämlich zwei Jahre später mit aller Macht nochmals herbeilächeln zu wollen, das geht nämlich auch nicht mehr.

Und am Ende könnte man dann noch nicht einmal behaupten, man habe vorzüglich gespeist.