The Me Magazine #Facebook #Timeline

“I’ve had the timeline of my life”

Ich habe in diesem Blog ein Plugin installiert, das in der Seitenleiste die Artikel anzeigt, die am gleichen Datum in den Vorjahren hier von mir geposted wurden. Da ist viel Unsinn dabei, und Unsinn an den ich mich gerne erinnere. Eigentlich ist Bloggen ja etwas für Vergessliche.

Facebook hat mit dem Developer Release seines neuen Timeline-Profils einen großen Schritt in Richtung Lebenschronik gemacht. Meine beginnt 2007. Die vieler Kinder meiner Freunde und Kontakte bereits bei ihrer Geburt. Eine enorme Änderung menschlicher Kultur, die es in den Datenbanken von Facebook (und Co.) schon lange gab und die sich nun auch visuell Bahn bricht.

Anders als Thomas Knüwer halte ich den rituell kritischen Diskurs darüber für wichtig, auch emotional und populistisch geführt. Und noch lange nicht besprochen.

Zeichen der Verspießung

Ich habe eine Weile in München gearbeitet. Mitte des letzten Jahrzehnts, also noch nicht lange her. Eigentlich habe ich mich dort recht wohl gefühlt, irgendwie fremdelte ich aber mit dieser pittoresken Ordendlichkeit, die dieser Stadt aus allen Fugen strömt. Selbst im Astra-trinkenden Glockenbachviertel. Der Bayer ist adrett und so ist auch seine Hauptstadt. Eines Abends hatte ich dann das passende Erlebnis zu meiner Empfindung. Ich schlenderte abends, es ging schon zur Mitternacht hin, den Nockherberg hinunter, ein wenig angeduselt vom guten Essen und 2 oder 3 Weißbieren. Seemannsgang. Mein Ziel lag am Fuße des Hügels, an dem eine Ampel die Straße durchschnitt. An der Ampelanlage sah ich schon von Ferne einen älteren Mann herumwerkeln. Er trug einen Pullunder über seinem weißen Hemd und einen Hut mit Dingsbums dran. Eine Weile konnte ich mir nicht erklären, was der Mann dort tat, dann, als ich näher kam, wurden die Bewegungen klarer, er kratzte an der Ampel herum. Aber warum? In meinem Dunsche brauchte ich eine Weile, um zu begreifen, dass der Mann in einer Art zivilem Pflichtanfall die Ampel von Aufklebern, Wohnungszetteln, Autonomen Aufrufen und Partyflyern säuberte. Mitten in der Nacht.

Mich hat dieses Erlebnis nachhaltig verstört. Wie kommt man auf die Idee, so etwas zu tun? In der Schanze die Woche drauf fielen mir die vertrauten und teilweise Zentimeter-dick eingeklebten Ampeln und Verteilerkästen besonders ins Auge. Eine heimelige Form des Dazugehörens machte sich breit. Das Unordentliche in Hamburgs, genauer Altonas Stadtteilen, markierte das Gebiet, das ich zuhause nannte. Schanze, Ottensen, St. Pauli. Nach Westen in Othmarschen war es damit vorbei. Da regierte die äußere Ordnung. Nach Hamburg rein ebenso.

Heute morgen dann der Schock. Ich gehe am Altonaer Rathaus vorbei in Richtung Bushaltestelle, als ich auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen Mann in orangem “Blaumann” an einer Ampel herumkratzen sehe. Er schafft Ordnung in Altona, kratzt Flyer, Wohnungsgesuche mit Abrisszetteln, Autonome Aufrufe, USP-Aufkleber und andere, mir lieb gewordene, Ausdrücke unordentlichen Seins von dem Metall, bürstet es blank mit einer groben Stahlbürste.

Stadtreinigung Hamburg im Flyer-Einsatz
Stadtreinigung Hamburg im Flyer-Einsatz

Wenn die Ordendlichkeit in Altona einzieht, dann ist es um die Zukunft meiner Heimat schlecht bestellt. Bezeichnend auch, dass es bei uns die Straßenreinigung erledigt. Der Altonaer Spießer macht sich nicht selbst die Hände schmutzig. In diesem Sinne sind mir die Bayern wesentlich lieber.

Kopf hoch, mein Freund

Lass sie nur die Köpfe hängen lassen,
Wenn die Köpfe ihre eignen sind.
Wir, wir wollen unsre Segel brassen
In den Wind.

Wir, in unserm Alter, wollen wissen,
Dass der Weg nun wieder rückwärts führt. –
Glücklich, wer den freien Drang noch spürt,
Das Getrunkne über Bord zu pissen.

Wenn die Wetter lange düster grollen,
Glücklich, wer dann trotzig lächeln kann,
Ohne Herr der Woge sein zu wollen;
Sondern nur “auf See ein Fahrensmann”.

»Joachim Ringelnatz«

Verflixt, wir bloggen schon sieben Jahre #Jubiläum

Vor sieben Jahren hießen wir noch ringfahndung, waren ein ziemlich doofes Satire-Magazin mit spamesken Ideen und einem Co-Autoren, Peter, den es zunächst nur gab, wenn der andere schlief. Sieben Jahre, in diesem Zeitraum erneuern sich alle Zellen in einem menschlichen Körper, hat mir mal ein Mädchen erzählt. Da ich von ihr gemocht werden wollte, habe ich es wohl geglaubt und irgendwie abgespeichert. Vor allem hat vor sieben Jahren noch der Helmut Kohl regiert, und auf den Medientagen wurden Elefanten in Runden befragt – irgendwie auch nicht besser, als heute.

Die Devise: weitermachen, auch wenn dieses Blog sich nun unweigerlich in die Vorpubertät verabschiedet. Danke fürs zuhören, bepöbeln und begleiten … Walk on.

(die Satire überlassen wir inzwischen anderen :)

INDY

“Zum Wiedersehn sei mir gegrüßt du Geisterwelt!”

INDY (I’m Not Dead Yet) ist der Name eines Gens, das die Lebensspanne von Fliegen auf das doppelte ihres Rahmens aufbläht. Im modernen Hier.
Auf dem ehemaligen Friedhof um die Klopstock-Kirche in Ottensen liegen die Reste von Menschen, die auch tot wären, heute, selbst wenn man ihren Lebensweg um das doppelte nach vorne – oder hinten? – verschoben hätte.

Nur, um ebenfalls vergessen zu werden? Würden wir nicht lästig gewordenen Leben trotzdem verkürzen (bspw. das eines Saddam Hussein)? Wer hätte Jopi Heesters noch geehrt, wenn der Zausel nun erst aus der Ausbildung käme?