Ich Libero

Ich stelle mir vor, wie Hubert Burda und Maria Furtwängler beim Frühstück sitzen am Sonntag letzter Woche. Maria nimmt sich noch einen Schluck Darjeeling aus der kleinen Silberkanne, die Esperanza immer frisch nachfüllt. Beide sind noch ein wenig mitgenommen von der Bambi-Party, die war dieses Jahr besonders schön, und die TV-Reichweite stimmte auch.

Du, Hubert?
Ja, mein Schatz.
Der Buschido ist ja doch ganz nett.
Ja, mein Schatz, sagt Hubert leise und lächelt.

Eine Woche vorher stand ich auf den Nordhängen des magischen Millerntor und schaute Männern aus Fürth zu, wie sie den Spielfluss meiner Boys in Brown zerstören suchten. In der ersten Hälfte gelang ihnen das sehr effektiv, was Fürth mit einem Lastminute-Tor krönte.

In der zweiten Hälfte wurden wir St. Paulianer dann emotional. Bei Max Pass auf Deniz hüpfte ich auf die Schulter von Thomas, in freudiger Erwartung des Tors. Naki, jaaaa. Wir umarmten uns, tanzten ein wenig auf dem Fleck. Der Quotenrocker küsste mich auf die Wange und ich ihn zurück. Deniz Naki tanzte um die Eckfahne und kriegte sich nicht wieder ein vor Glück. Das war ein Moment purer Leidenschaft, unter Männern.

Wir waren Libero.

Fußball im Longtail: Der EuGH zu Pay-TV und der Spieltag ohne den Montag

Ich sitze gerade beim Kaffee in einer portugiesischen Bodega bei mir um die Ecke. Beim zweiten Kaffee, den man in Hamburg Galao nennt, denke ich an den übernächsten Montag und meine Vorbehalte gegen diese Fanfeindlichen Anstosszeiten.

Dann schweifen meine Gedanken zu dem Urteil des Europäischen Gerichthofes in Sachen Pay TV, insbesondere Fußball-PAY-TV. Ich frage mich, wie lange es noch dauert, bis es neben der Sender-gestützten Fußballübertragung, die ja nach Reichweite und Zielgruppe aussendend nur die Sahnespiele der Sahneclubs zeigen können und wollen, auch den Longtailigen Sender gibt. Wann, und nur das ist imho die Frage, nicht das ob, wann also wird es von Vereinen, meinetwegen von Youtube oder einem Sport-MyVideo, oder anderen organisiert, eine komplette Coverage von Spieltagen in allen Ligen geben, die mehr als 1’000 Zuschauer pro Spiel interessieren?

Roger Willemsen sagt zum Hamburger Abendblatt heute, dass Unerfülltes im Leben dasjenige sei, das Menschen zu Literatur zieht. Für Kulturveranstaltungen wie Fussballspiele gilt das imho auch. “Wir kann ich mir die Fussballwelt noch denken? Wie wäre es wenn – und dann fängt es an”

In fünf Jahren bin ich Abonnent der Zweitliga-Spiele des FCSP, von Altona 93 – der Frauenmannschaft, die inzwischen Budesliga spielen – und dem Celtic FC. Und wegen des großen Erfolges des longtailigen Fussballübertragungsmarktes sind Montagsspiele eine Episode von Gestern. Also heute.

Bisher noch nicht einmal Literatur dieser Gedanke, aber trotzdem schön.

Mythos AJK #Altona93

Eingang Adolf Jäger Kampfbahn - Altona 93

Das mit der Nostalgie ist so eine Sache. Man beginnt ja marodes, auch hässliches, mit anderen Augen zu sehen, wenn es entschwunden ist oder dazu verurteilt, bald zu verschwinden. Das geht mir mit fortschreitendem Lebensalter mit mir selbst und anderen Menschen so, aber vor allem mit Orten. Stellvertretend. Dem alten Millerntor beispielweise weine ich regelmäßig eine Träne hinterher. Der wackelige Haupttribüne und dem rotten Klubheim, wo unten im Souterrain die Duschen und Umkleiden waren. Continue reading “Mythos AJK #Altona93”

Morgens Tilsiter

Ich finde ja, das ist einer der pittoresken Spielplätze in Hamburg, der Fußballplatz des Sportvereins Polizei in der Sternschanze. Sonnabend morgen 8:30 Uhr vor allem. Immerhin, der Kiosk hat schon Kaffee und die Sonne scheint.

Unsere E1-Deerns sind noch ein wenig müde, als sie so kleckerweise aus der Heimat eintrudeln in den Nachbarstadtteil. Man begrüßt sich erfreut, geht man doch teilweise auf gleiche Schulen oder kennt sich von anderen Gruppen her.

So richtig sudsche und freundlich geht man dann auch in der ersten Halbzeit miteinander um. Die Abwehrreihe vor Tormädchen Hannah justiert sich nach ihren lauten Anweisungen und lässt der starken 10 von Sternschanze keinen Raum zur Entfaltung. In die andere Richtung versiegen die Angriffe der Deerns ein wenig, so richtig kommen wir nicht zum Abschluss. Continue reading “Morgens Tilsiter”

Forza AFC Deerns

Zu einem Titel hat es nicht gereicht, und doch bin ich furchtbar stolz auf unsere E1-Deerns von Altona 93. Denn sie haben Beute mit nach Hause gebracht, die mehr wert ist, als so ein dusseliger Pokal – einen handfesten Satz neuer Trikots (Foto für die Sponsoren, wie bei den Großen) und die Erkenntnis, dass man auch im Kleinen so leiden kann, wie der magische FC.

Deerns Altona 93 E1

Autoflaggen Multikulti

Die türkische Presse freut sich mit Deutschland für Mezut Özils Tor, und auf Hamburgs Straßen sieht man immer öfter Autos mit Doppelbeflaggung. Auf der einen Seite die deutsche auf der anderen bspw. die portugiesische, die ghanaische, manchmal alle drei.

Eine stille Manifestation von Mehrfacheinflüssen, die mir gut gefällt. Immerhin habe ich bis gestern der zweiten Altonaer Nationalität, der dänischen Elf die Daumen gedrückt. Unsere stolzen Türken waren ja knapp gescheitert.

Foto: Multi-Auto-Beflaggung in Hamburg-Altona

Raute Dich: HSV-Flashmob auf dem Hamburger Rathaus – laues Chörchen

Flashmobs haben in Hamburg ja eine gewisse Tradition. Man könnte auch sagen, massenmedial wirksam sind sie hier geworden, letztes Jahr zum “Alle so Yeahh!”-Flashmob zum Besuch der Kanzlerin. Nun haben sich am Vorabend des Halbfinal-Hinspiels der St. Ellinger (HSV) gegen Fulham HSV-Fans zu einem Flashmob-Singen am Hamburger Rathaus verabredet. Unter zuhilfenahme des Vereins und des Hamburger Abendblattes, das mit seiner Ankündigung und Promotion sicher zu der einigermaßen stattlichen Anzahl HSV-Fans beitrug, die sich da eben versammelten, der Versammlung aber irgendwie das “flashige” nahm. Continue reading “Raute Dich: HSV-Flashmob auf dem Hamburger Rathaus – laues Chörchen”

FC St. Pauli – Schalke 04 – 2:0 – Testpiel-Sieg am Millerntor

“In der 2. Halbzeit war St. Pauli außer Rand und Band”
– sagt, Felix Magath und alle unsere jungen Jungs laufen und zaubern im Schneeregen.

Das war trotz des katastrophalen Tons und der altersweitsichtigen Optik der NDR-Kameras schön anzusehen, dieses Bundesliga-Muster ohne Wert am veschneiten Millerntor. Ja klar. Vorfreude ohne Aussagekraft, dass man gegen Schalke 04 so aufzupft, aber nach dieser tollen Hinserie und dem verpassten Testspiel letztes Jahr, nach vier Jahren schmerzhaften Ackerns gegen Leverkusen II (O-Ton Trulsen) in der Regionalliga tut das soo gut!

Ich bin auch in Hamburg geboren

Ich bin auch in Hamburg geboren
spaeter habe ich einen anderen Ort zum Leben auserkoren.
Ich lebe ganz und gar anderswo,
naemlich in Mexiko.

Da ist Fussball auch beliebt.
Er macht die Leute wild und munter
und oft geht es drueber und drunter.

Mich laesst das kalt,
denn ich bin halt
ignorant
(wenn auch von der Waterkant).

Mich begeistern andre Sachen,
da kann man nichts machen.
Ist das fuer dich ein Schock?
Ich hoffe, du laesst mich trotzdem auf deinen Blog!

Dieser Beitrag ist im Rahmen des Blogwichtelns 2009 entstanden. Der Autor oder die Autorin sind mir zwar sympathisch, aber unbekannt.

Rouwen Hennings wird Vollblut-Paulianer

Die Entwicklung von der Raute auf dem Hinterteil zum Totenkopf im Herzen ist nun vollzogen. Rouwen Hennings wird Vollblut-Paulianer, mit Vertrag bis 2011.

Ich bin nicht der augenscheinlich nicht der einzige #fcsp-twitterati, der Rouwens Stille und seinen unaufgeregten Fleiß schätzt – auch ich hoffe, dass er in der nächsten Saison so einschlägt, dass sich Herr Beiersdorfer in den Popo beißt, und ihm emotionaleres einfällt als dies hier: Continue reading “Rouwen Hennings wird Vollblut-Paulianer”

Aus Protest gegen DFL-Antosszeiten: 20 Minuten stille FC St. Pauli-Fans

DFB, DFL, Protest, Anstosszeiten, Ultra Sankt Pauli, Freiburg

Aus Protest gegen die Zerfaserung des Bundesliga-Spieltages zugunsten der TV-Verwertung durch die neuen Anstosszeiten der DFL 2009/2010 – bspw. in der 2. Bundesliga am Sonntag um 13:30 Uhr – oder auch das länger schon bei Auswärtsfahrern verhasste Freitagsspiel um 18:00 (Montag 20:15 Uhr ist natürlich auch nicht besser, wenn man nach Freiburg muss!) – bleibt es die ersten 20 Minuten des nächsten Spieltages still.
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13:30 ohne uns! – die neuen Anstosszeiten der DFL

13:30 - ohne unsAuch die neuen DFL-Anstosszeiten bleiben eine Katastrophe für den deutschen Fußball.

Der Regelspieltag der 2. Bundesliga sieht weiter drei Spiele am Freitag um 18:00 Uhr vor. Hinzu kommen zwei Begegnungen am Samstag um 13:00 Uhr, was den Clubs der 2. Bundesliga Präsenz im Rahmen der frühen Free-TV-Erstverwertung der Bundesliga (Samstag ab 18:30 Uhr) sichert. Im Sinne der Fans wurde die Anstoßzeit der Sonntagsspiele im Vergleich zum ursprünglichen gemeinsam mit Sirius veröffentlichten Plan um eine Stunde in den Nachmittag verlegt: Die Partien werden nun um 13:30 Uhr angepfiffen. Darüber hinaus bleibt es beim eingeführten Montagsspiel um 20:15 Uhr.

Letztlich müssen Fanpetitionen wirkungslos bleiben, wenn die DFL – und damit der DFB und damit die Vereine! – den TV-Zuschauer als Fan betrachten, ihre Supporter im Stadion, die Auswärtsfahrer und die eigenen Amateure aber opfern oder so drangsalieren, dass sie nicht mehr ins Stadion kommen. Schaden tun sich die Vereine selbst, schneiden den lebendigen Körper der Aktiven entzwei, um passive Premiere- und DSF-“Kunden” zu gewinnen.

Das macht Fußball beliebig, virtuell, was sich am Thema Hoffenheim gut zeigt.
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DFL paradox: Reiseführer für behinderte Auswärtsfahrer

Millerntor, Fußball, Behinderte, Reiseführer, DFL, Bahn
(Foto: Frank Jacobi, CC-Lizenz via flickr)

Zuerst: Es ist eine tolle, super duper geniale Idee einen Reiseführer für behinderte Fußballfans aufzulegen.
Die DFL und Die Bahn haben das gerade initiiert.

Der Reiseführer für Menschen mit Behinderungen kann bei der DFL über reisefuehrer@bundesliga.de, den Behindertenfanbeauftragten der Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga sowie bei der Deutschen Bahn über www.bahn.de/fan-ecke oder über die Mobilitätsservice-Zentrale unter 01805/512512* bzw. msz@bahn.de unentgeltlich bezogen werden.

Mir allerdings ein Rätsel, wie behinderte Fans um 12:30 am Sonntag am Millerntor sein sollen, wenn sie bspw. aus Freiburg kommen. Herr Mehdorn, anyone?

2.0

Übrigens liebe Bahn, schon mal von sowas innovativem, wie Qype gehört? Die Daten, wie man wohin am Besten kommt, können Behinderte selbst am Besten austauschen. Wie wäre es, den Reiseführer online abzubilden, anstatt ihn “nur” als PDF zum Download bereitszustellen, wo er schon bei Erscheinen veraltet, wie alter Käse?

FCSP: das Millerntor im Sonnenschein

sitzplatz-spam
RWO war nicht zu beneiden, Felix Luz auch nicht, als er sich – bereits in der Kabine – nach dem Spiel auf zur Ehrenrunde machte. “Du hast Dich spielerisch sportlich verbessert, spooortlich verbeessert, du hast Dich sportlich verbeesert” höhnte da die Südtribüne und Gegengerade unisono.

Es war mal wieder ein schöner Tag am Millerntor, mein erstes Heimspiel in dieser Saison und dann gleich so ein famoses. Alles stimmte da gestern. Die Verteidigung um den bravourös fightenden Eger und die tolle Leistung von “Schnecke” Kalla (Motto: Lieber nach vorne mit dem Ball, da kann er hinten nichts anrichten) haben dann sogar einen sturmlaufenden Carsten Rothenbach gesehen, so stabil, wie lange nicht mehr.

So verschieden sie auch sind, sie waren die Männer des Spiels: Trojan und Boll. Der eine mit einer schier unauslöschenden Energie, fegte unter den Oberhausenern durch, an ihnen vorbei in Richtung Tor. Toll Herr Kapitän. Fabian Boll mit kraftvoller Konzentration, das muss einen Felix Luz und Co. ja so frustrieren.

Das angekündigte Heimsiegbierchen konnte ich leider nicht mehr trinken, musste schnell nach Hus. Immerhin bin ich nun stolzer Besitzer einer Totenkopf-Fahne. Die bekommt noch zwei Kauschen spendiert und flattert beim nächsten Törn auf der Flensburger Förde am Vorstag.

‘Hoeneß 4’

Christian Wörns ist zu alt für die Bundesliga und steht nun einsam und allein auf der Transferliste rum.
Die schließt aber in einigen Tagen. Wer dann, wie bei der Reise nach Jerusalem, keinen Platz hat, wenn die Musik aufhört zu spielen, der gehört zu den armen Würstchen, “zu den 10% Profispielern”, die nach der Transferperiode zwischen der Saison ohne Platz in einem Kader dastehen.

Juan Pablo Sorin (Verletzungsanfällig ist sein dritter Vorname) ist ein weiteres prominentes Beispiel.

Wie wohl eine Mannschaft aus diesen Aussortierten in der Bundesliga abschneiden würde? So als Freibeuter-Truppe die erste oder zweite Bundesliga aufmischend?

via: “Spieler-Karussell hat nicht für jeden Platz”

Meine Online Quellen zum Thema “FC St. Pauli”

fc st. pauli fans web 2.0Meine wichtigste Quelle zum Thema FC St. Pauli ist mit Abstand das magische Forum der FC-Fans, das St.-Pauli-Forum. Während der Spiele der Lifeticker von Basis St. Pauli.

Dann kommt lange nichts.
Es folgen die von mir sehr geschätzten Sankt-Pauli-Blogger: Kiezkicker, CuriOus, TB&E, Jekylla, @Alfetta und Text&Blog. Nicht zu vergessen, die schönen Artikel von Momo bei shiftingreality und den Pantoffelpunk. Über den Kiezkicker bin ich dann zum Fanclub Netpirates gestossen, der ähnlich dem St. Pauli-Forum einen hohen diskursiven Stellenwert eingenommen hat.

Zuletzt erwähnt seien da noch der facebook Fanclub, der inzwischen über 750 Mitglieder hat, meist Ausländer, sowie Aggregationsseiten, wie wikio oder sixgroups.

Allein fcstpauli.com frequentiere ich sehr selten und ich habe mich gefragt woran das liegt? Vielleicht an der PR-lastigkeit, mit der auch katastrophale Spiele noch schön geschrieben werden. Vielleicht aber auch an dem Trend, Nachrichten immer öfter aus seinem Umfeld zu beziehen, eine Art meta-Wahrnehmung. Bereits mit Meinung aufgeladen. Meinung und Wertung von Menschen, denen ich ein Urteil zutraue, das mich stimuliert – zustimmend oder diskursiv.

Aber warum findet das nicht auf der Vereinsseite selber statt. Wo lebt der Verein seine soziale Kompetenz im Netz?

Seelenwanderung von St. Pauli nach Altona?

… Auszug aus einer E-Maildiskussion:

Am 04.06.2008 um 10:21 schrieb Erik Hauth:

Am 04.06.2008 um 09:09 schrieb Markus W.
na ja, und wenn die zuschauerzahlen beim afc von 500 auf 1000 steigen ist das ja ok und die spiele sollen samstags um 14 uhr stattfinden ….

ja, nur eben hat der AFC kein übergreifendes Motto, keine Lebenseinstellung, die die Menschen verbindet.

Noch nicht, und wenn es nach den Latenzprolls auf dem Meckerhügel geht, braucht Altona auch keines. Dumm ist nur, daß man das nicht konzipieren kann, sowas entsteht einfach – oder wandert. Von St. Pauli nach Altona beispielsweise.

was läuft aber bei st.pauli? schnitzler wird weggemobbt? der schulte faktor? kommen da unruhige zeiten?

Schnitzler passte imho sowieso nie richtg. Einmal war sein Anspruch und vor allem die damit verbundene Attitude viel zu weit weg von seiner Leistung, zum anderen ist der Mann einfach nicht Pauli-kompatibel.

Schulte, Stani und Trulsen sind das eigentliche Pulverfass; da ist bei Dreien eben einer zu viel. Und die Ambitionen von Cornelius Littmann, wo sich ja jetzt manifestiert im Pauliherzen, was das bedeutet, ein modernes Stadion mit VIP-Logen!

Herzlichst
Erik (Haupttribüne, der Arsch, der das dort sitzen mag)

Am 03.06.2008 um 23:38 schrieb Erik Hauth:
nu, ist es nicht das, was wir alle denken ;)

Am 03.06.2008 um 09:09 schrieb Markus W:
der AFC, Sammelbecken der Pauli Tränendrüsen, peinlicher gehts nimmer, den will ich in der Hoheluft nicht sehen!

Anfang der weitergeleiteten E-Mail:

Von: “Markus W.
Datum: 3. Juni 2008 07:40:27 MESZ
An: “Erik H.”
Betreff: forum

Ich bin neu bei euch im Forum deshalb erstmal ein herzliches Moin Moin an alle hier. Ich bin einer der St.Paulianer die den völligen Ausverkauf und die totale Kommerziallisierung meines Vereins nicht mehr ertragen und den Fussball wieder neu finden wollen. Da Herr Littmann beschlossen hat, meinen Verein austauschbar werden zu lassen und er, laut unserem ehemaligen Fanbeauftragten Heiko, völlig “beratungsresistent” zu sein scheint, bin ich auf der Suche nach einem Fussball der sich noch so anfühlt wie vor 10 Jahren beim FC St.Pauli. Nach unserem Stadionneubau wird man nur noch an den Vereinsfarben erkennen ob man sich bei den Hasenpfauern oder dem FC St. Pauli befindet. Früher oder später werden dann noch die Ecken und der Stadionname verkauft und dann wars das. Ich kann kein Anhänger eine Stadtteilsvereins mehr sein der seinen eignen Stadtteil über die Eintrittspreise ausschließt. (Ausschließen will?) Es rumort bei den alten Paulianern. Viele sind sich aber noch nicht schlüssig wie sie auf diese Veränderungen reagieren sollen. Setzen sich dann noch die neuen Anstosszeiten nächstes Jahr durch, werden viele,, aus den unterschiedlichsten Gründen, wegbleiben.
Ich denke, dass ihr euch den Frust vieler St.Paulianer zu nutze machen solltet. Ihr könnt noch mit dem alten Ideal des Fussballs werben. Jetzt noch der Aufstieg und das neue Stadion….Schlagt Kapital aus eurer langen Hamburger Tradition. Bei Pauli wird es bald nur noch Modefans und die Ultras die die Modefans bespaßen sollen, geben. Wo soll dann der “alte” Hamburger hin? Gebt ihm einen Platz. Ich glaube mit einer pfiffigen Werbung könnt ihr den vielleicht etwas orientierunglosen Paulianer für euch gewinnen! Die Zeit für eine Alternative zum FC St.Pauli wird (ist) gekommen. Ich lasse mich mal bei euch sehn. Ein frustrierter Anhänger des glorreichen FC St. Pauli.

fussball-lebt: ein Metablog für den kritischen Fan

Fußball ist eine lebendige Komposition aus verschiedenen Komponenten. Den Vereinen, den Fans, dem Fernsehen und der Verbände. Seit geraumer Zeit scheint die Harmonie im Zusammenspiel dieser Instrumente, zugunsten der Rendite zu leiden. Jüngstes Beispiel, die Proteste gegen die neuen Anstosszeiten der DFL für die Bundesligen ab 2009.

Unter Fussball-lebt möchten engagierte Blogger, Fans und Menschen, denen der Fußball am Herzen liegt eine Sammelstelle für Artikel, Meinungen und Aktionen sein, die sich mit diesem wichtigen Thema beschäftigen.

Meldet euch gerne an, posted Links, Artikel, Meinungen und Themen. Forza 15:30.

Fan-Petition gegen DFL-Anstoßzeiten

petition gegen die dfl anstoss zeiten 2009

Eine Aktion der Sozialromantiker Sankt Pauli

Die DFL formuliert in ihrer Mitteilung von dieser Woche in geligem PR-deutsch, dass sie eine Organisation der Spieltage ab 2009 vorstellt, die Fans, Vereine und Partner gleichermaßen bedenkt. Quatsch!

Fussball-Fans fühlen sich immer mehr als “nützliche Idioten”, deren Leben am Wochenende von Renditeüberlegungen in Asien geleitet wird. Die Sozialromantiker St. Pauli sind ein Fanprojekt, dass gegen die neuen Anstoßzeiten und ihre Gefahren eine Petition ins Leben gerufen haben. Unsere Forderungen:

• Nehmen Sie diese neuen, fanfeindlichen Anstoßzeiten vor allem am
Samstag und Sonntag zurück! Beginnen Sie an diesen Tagen keine Spiele
vor 15 Uhr.

• Werten Sie die 2. Bundesliga im öffentlichen
Interesse auf durch möglichst einheitliche Anstoßzeiten an maximal zwei
Tagen pro Spieltag.

• Verzichten Sie an Wochentagsspieltagen auf Anstoßzeiten vor 19.30 Uhr.

• Sorgen Sie durch frühzeitige und langfristige Terminierung der
Spieltage für Anreise-Planungssicherheit vor allem für die Auswärtsfans.

GEGEN DIE ZERSTÖRUNG DES KULTURGUTS FUSSBALL!

… hatte gegen den Millerntaler ja schon mal funktioniert.
(via cajacore, foto: sozialromantiker st. pauli)

Wem gehört der Fußball?

warnunk

Manchmal sieht man Konflikte kommen, und ist doch überrascht, wenn sie plötzlich da sind. Vor allem, wenn sie durch Medien “beschleunigt” werden. Vor einiger Zeit habe ich geunkt, dass spätestens zur EM 2008 die Frage zu diskutieren sei, ob der Fan 2.0, der da aus dem Stadion twittert, flickrt, casted oder bloggt, sich strafbar macht oder ob er sein Grundrecht auf freie Meinungsäußerung ausübt.

Nun diskutieren wir über mich, meine 1000Mikes-Handy-Übertragung, den FC St. Pauli, die DFL, den Begriff Rundfunk und die Meinungsfreiheit. Besonders wohl fühle ich mich nicht dabei.
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FC St. Pauli vs. Hoffenheim: Livecast vom Millerntor (1000 Mikes)

1000mikes upcoming


Der erste Test mit Jekylla verlief schon mal viel versprechend und nun, heute Nachmittag gegen 17:30 bin ich dran, mit dem 1000 Mikes Livecast vom Millerntor (Haupttribüne).

Ausser mir castet noch Cajarore aus der Gegengeraden. Und natürlich unser glühendes Vorbild, das AFM Webradio. Der Basisticker tickert ebenfalls live, sodass alle Menschen mit Internetanschluss ihr Paulierlebnis remote nicht missen müssen.

Übrigens, wenn euch mein Gequatsche gefällt, oder auch im gegenteiligen Fall, wählt uns als “Besten Livecast” und Werner Hansch muss zum Livekommentieren zu einem Spiel meiner Tochter zur F-Jugend von Altona 93. Das wär doch mal was …

… ach ha mein Tipp für heute Abend:
Ein glückliches Unentschieden, sagt der Kopf. Ein 2:0 sagt das Herz, mit Toren von Fabio Morena und Marvin Braun ;)

Fans 2.0: Wem gehört der Fußball?

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Wäre der FC St. Pauli eine Web 2.0 Community, dann könnte man seinen Wert leicht ermitteln. Ist er aber nicht. Das mit dem “Wert ermitteln” könnte aber dennoch nötig werden, wenn das Beispiel vom FC Liverpool Schule macht. Dort wollen seine Fans ihren FC kaufen, ihn aus den wirren Händen von Finanzinvestoren befreien, die sowieso keine Ahnung von seinem wahren Wesen haben.

In Deutschland, wäre das im Profifußball wohl am ehesten beim FC St. Pauli zu erwarten.

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FC St. Pauli Flimmerkiste: erbärmliches WebTV von T-Home

flimmerkiste t-home webtv
Ich habe keine Karte mehr für das tolle Spiel gegen die Kölner ergattern können, auch ein Besuch in der Amanda Bar war nicht drin. Dachte ich mir, Erik bist Du schlau und schaust Dir das Spiel, nach dem Spiel in der St. Pauli Flimmerkiste an.

4,95 Euro kostet die für einen Monat und ist das erbärmlichste, was ich an Web TV jemals gesehen habe.

Da geht man summend durch die Stadt nach Hause, um ja nicht das Ergebnis vorher zu erfahren, wie einst Thomas Magnum, um dann ein ruckelndes, mit Artefakten übersätes Streaming-Video zu erleben, das einer ganzen Branche Schande bereitet.

Es ist nicht zu begreifen, wie in Zeiten von Videoangeboten, wie facebook, DiVxTV oder Google Video ein Unternehmen, wie T-Home solch schlechte Qualität anbieten darf. Dann auch nur 1:1 das Premiereprogramm in 4:3 übernehmend, inklusive aller dummerhaftigen Kommentare. Nur völlig unter- und mal übersteuert. Bäh, ich bin enttäuscht.

Da muß sich keiner wundern, wenn die Fans das mit dem “Bewegtbild aus dem Stadion” bald selbst in die Hand nehmen.

Millerntaler

Ehrlich, ich verstehe die Aufregung nicht.
Ja, der Millerntaler ist ein Promogag, nahe läge, dass er vom Pokersponsor unseres Vereins, pokerroom.tv unterstützt wird.(ist das eigentlich so?). Wird er aber wohl nicht, sondern vom Caterer aus Flensburg.

Habe die Flyer auch gesehen an diesem schönen Sonnabend am Milerntor.
Und?

Grundregel einer Promoaktion ist, dass sie uninteressierte nicht behindert, interessierte Fans anspricht. Mal witzig, mal unterschwellig, mal in Form von Jetons, die man sammeln und einlösen kann. Ich kann daran nichts Schlimmes entdecken.

Sicher, es muss weiterhin auch mit Euro bezahlbar sein (siehe Regel 1 ;), aber das scheint ja gewährleistet zu sein.
Selbstverständlich könnt ihr auch weiterhin das Bier und die Wurst bzw. das Fischbrötchen an den Verkaufsständen im Millerntor-Stadion in Euro bezahlen.

Update: Genervt sind die Paulianer wohl in erster Linie von der Art der Kommunikation. Bei der anscheinend angedachten Poker-Dauerkarte müsste man das wohl offensiver besprechen, um ins Feld schießende Paranoia abzufangen, und davon haben wir ja ne Menge am Millerntor – übrigens aus schlechter Erfahrung, dass hat zuerst mal nix mit dem Sponsor zu tun.

Update II: Einen Bierboykott halte ich aus zwei Gründen für eine eigenwillig doofe Idee. Erstens ist das gerade der Bereich in dem der Verein am reellsten am Umsatz beteiligt wird, anders als bei den Merchandising-Einnahmen. Zweitens ist ohne Bier das schönste Spiel nur halb so schön.

Weitere Infos:
Basisstpauli Forum
Offizielle FAQ zum Millerntaler

Moon over St. Pauli

moon over MillerntorEigentlich hat St. Pauli heute 3:2 gewonnen am Millerntor, zumindest ist das in meinem Herzen verbucht dieses Ergebnis. In einem Spiel, dass auch eigentlich gar kein Testspiel war, sondern ein herrlich ernst genommener Saisonauftakt. Es hat alles gepasst, sogar die biestige Hilflosigkeit von pomadig dahinspielenden Hannoveranern.

Von denen übrigens viele Fans angereist und ihren Teil dazu beigetragen haben, dass sich dieses Vorfrühlingsspiel so echt anfühlte (inklusive Spinner mit Rauchbomben und Hools, leider). Am Support ihrer Anhänger kann das also nicht gelegen haben, dass Hannover in der ersten Halbzeit gegen vergnügt aufspielende Paulianer 1:0 hinten lag. Hannover absolut zweitligareif.

Toll René Schnitzel und Sir Charles, die Traumpässe schlugen, in alter Paulimanier ihre Chancen wieder vergaben, als wäre schon Ostern, ohne Druck, aber locker 2:0 hätten führen können. Darüber ärgern können wir uns demnächst wieder, über die vergebenen Chancen. Heute haben wir uns über die Art und Weise gefreut, wie St. Pauli sie herausgespielt hat. Feiner Fußball.

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Da mag sich Ian Joy doch noch eine Träne verdrückt haben, solch eine Kulisse bei einem Vorbereitungsspiel wird er so schnell nicht wieder erleben.

Offiziell hieß das Ergebnis 2:2, ein gegebenes Abseitstor für Hannover dabei, die in einer kurzen Phase der 2. Halbzeit, in der sie gegen unsere halbe Zweite spielten, sich herankämpften. Herrlich, wie diese Testelf dann wieder zurück kam, Ömer Sismanoglu überwand Nationaler Encke in der 69. phänomenal. Sowieso ein Spiel der großen kleinen Geschichten und das lange ersehnte Comeback von Abdou Sall. Ein reguläres Tor von Pauli wurde dann vom noch im Weihnachtsurlaub weilenden Schiedsrichtergespann nicht gegeben. Ich habe es dazugezählt. Das fühlte sich einfach, wie ein Sieg an, dieser rundum ein schöne Nachmittag.

Sogar der Regen hatte sich ab Mittag in Richtung Niedersachsen verzogen. Ein erstes Omen, dass mit einem netten Abendessen im Ofeuer endete.

“Altona 93 ist das neue St. Pauli”

freude

Ich stehe beim Getränkehöker im Dorf. Wir beschnacken letzte Einzelheiten der Lieferung.
Neben mir steht ein älterer Mann, graues Haar, schwarzer Kapuzenpulli mit Totenkopf drauf. Allem Anschein nach ein Nachbar und ein in die Jahre gekommener Autonomer. Wir kommen ins Gespräch. Über den Stadtteil und den FC St. Pauli.

“Ich hab mir gerade eine Dauerkarte bei Altona 93 gekauft”, sagt er. “Da gibts noch echten Fußball. Ohne den ganzen Kommerz.”

Diese Ansage höre ich hier in letzter Zeit häufiger: “Altona 93 ist das neue Pauli”.

Wie das so ist, wenn ähnliche Gemüter und ewige Rivalen zu einem Testspiel Freundschaftsspiel aufeinander treffen, kann man sich heute Abend an der Adolf-Jäger-Kampfbahn ansehen, ein Stadion, das frei von der Gefahr ist, seinen Namen verkaufen zu müssen.
und gemeinsam schwelgen in alten Erinnerungen. Mit der bitteren Gewissheit (wie ich in den Kommentaren erst erfahren habe), dass auch Graswurzelfußballer zur finanziellen Sanierung ihre Seele verkaufen müssen.
Ich werde es wohl verpassen, freue mich aber immer wieder über die Tradition, das erste Spiel nach der Vorbereitung in Altona zu spielen. Eine nette Nachbarschaftsgeste und bestimmt frei von Nazis. Pure Fußballfreude.