Elektronische Tickets der Bahn nicht für das IPhone?

Sitze gerade im ICE nach Berlin. Fahrkartenkontrolle. Der Mann hinter mir zeigt seine elektronische Fahrkarte (e-ticket) auf seinem IPhone vor.

“E-Tickets dürfen wir nur auf Laptops, Notebooks und Tablets entgegen nehmen” sagt die Schaffnerin, und erzählt von einer internen Anweisung. Der Mann blickt erstaunt und auch ein wenig angespannt, als die wuchtige Dame lächelt. ’Aber nu erzählen Sie mir mal, wo ein Tablet anfängt und ein Smartphone aufhört’.

Das mag ich an der Bahn ja, wenn Menschen im Sinne ihrer Kunden (und sicher auch aus Bequemlichkeit) ihren Ermessensspielraum ausnutzen.

Bravo!

Die schnellste Bahn der Welt

… ist eine komische Frage. Also die Bahnverbindung oder der Zug?

ICE "Köln" & TGV POS sit at Paris Est

Re: Schnellste Bahn der Welt

Soweit ich weiss, hält der französische TGV den Geschwindigkeitsrekord. Er liegt bei 515,3 Stundenkilometern, die vom französischen TGV Atlantique 1991 bei einer Testfahrt erreicht wurden. Die schnellste Magnetbahn der Welt ist dagegen der Maglev. Am 14. April 1999 stellte ein Maglev-Schwebezug mit 13 Ingenieuren an Bord mit 552 Stundenkilometern einen Weltrekord auf.

Aber ich werde mich nochmal schlau machen!

Windräder

Windräder, die sich nicht drehen, wirken toter als AKWs die nicht am Netz sind. Und wenn ich Werber für das Atomforum wäre, dann würde ich da auch noch eine Gemeinsamkeit finden. Loki Schmidts CO2-Ausstoß liegt übrigens nun auch bei Null%. Komisch auch, dass einen solche Nachrichten immer unterwegs erreichen. “Wir bitten Herrn Schmidt zum Zugchef, er wird dringend gebeten zu Hause anzurufen”. Horror auf Reisen. Continue reading “Windräder”

How to

Ich meine, die mittelalte Frau neben mir zu kennen. Es ist nicht in erster Linie ihr hawaianisch wirkendes Gesicht, sondern ihre Art.

Sie hatte sich zu mir gesetzt, war in Neu-Ulm zugestiegen. Ich hatte gerade zuvor dem Schaffner meine Fahrkarte gezeigt, “und noch ne BahnCard, ne?”, hatte er noch gesagt. Nun kam er wieder vorbei und fragte, wie immer ab der zweiten Haltestelle: “Noch jemand zugestiegen?”. Die Frau sagte wie beiläufig “Nö” und schaute wieder in ihr Buch. Das Timing war perfekt. Keinen Wimpernschlag zulange schaute sie den Schaffner an, mich gar nicht. Ich war mir sicher, sie würde mit mir an der nächsten Station aussteigen und vermute eine Methode. Hier will ich einen Blick auf ihre Lektüre verschaffen. Meine Bekanntschaft von vor 20 Jahren, wir hatten uns in einer Mädchen-WG kennen- und ignorieren gelernt, hatte damals gerade ein Buch gelesen, dessen Titel ich nie vergessen habe: “How to make Friends and influence them”.

Altona-Budapest-Berlin Frühstück im Eurocity

In diesem Speisewagen wurde lange Zeit sehr viel geraucht. Vor und nach dem Essen, zum dunkelschwarzen ungarischen Caffee. Das verstärkt den Ostblockcharme noch, der einen auf der Reise von Hamburg nach Berlin umwebt, setzt man sich in einen Eurocity nach Budapest am Morgen.

Die Kellner tüdeln sich langsam ein, heizen den historischen Caffeeautomaten an und sortieren sich nach einer kurzen Nacht. Bis 23:00 werden Sie in diesem reisenden Stück Ungarn arbeiten heute, dann erreicht der Zug Budapest. Nach einer kurzen Nacht zuhause, geht’s um sechs Uhr wieder zurück nach Altona.

Vielleicht sehen wir uns dann wieder, auf einen kurzen Caffee im rollenden Ungarn.

Magermodel Bahn – ohne Winterspeck bricht alles zusammen

Auf dem Rückweg aus Berlin saßen wir ICE-Passagiere in einem alten Luxuszug des Metropolitan, der einst zwischen Hamburg und Köln in einem Expressdienst auf solventen Kundenfang ging. Das ging gehörig daneben, die Manager flogen lieber. In den 90er Jahren hat man mit der Bahn auch noch nicht solche Winter erlebt, was nicht an den Temperaturen liegt sondern am Schlankheitswahn der Bahn.

So das Fazit eines Gespräches, das ich vor zwei Wochen mit einem alten Bahner führte. “Wenn es kalt wird und eng, dann kommt es nicht nur auf die Technik an, sondern auf deine Reserven”, hatte mein Gegenüber durchaus plausibel den Vergleich zum Sport gezogen, “früher hatten wir in Altona immer noch mindestens eine Lok und einen Lokführer in Reserve – heute fährt die Bahn just in time

Eigentlich schade – ich bin ja bekennend gerne Bahnfahrer – denn mit Zuverlässigkeit im Winter, einer modernen Klima-PR und mit Reserven für eine Schlussoffensive hätte die Bahn dieses Jahr für einen Frühlings-haften Aufschwung auch auf Strecken sorgen können, auf denen der Metropolitan keine Chance hatte.

Stadtrad Hamburg – TEST

Ein paar Wochen läuft es nun, das StadtRad-Projekt in Hamburg. Ein voller Erfolg aus meiner Sicht, bin ich doch selten, seit dem wiederholten Diebstahl meines Fahrrads, so entspannt in die Stadt geradelt. Und das auch noch kostenfrei.

Das ist vielleicht die beste Seite an dem System, dass die Nutzung in den ersten 30 Minuten kostenlos ist. Innerhalb des Ring2 ist die Ausstattung mit Stationen auch so gut, dass ich fast immer von A nach B in knapp 30 Minuten komme. So, wie zur Arbeit morgens, von Ottensen in die Innenstadt.

Fast immer, denn immer mehr Hamburger entdecken das System, sodass schon morgens den außen liegenden Stationen die Fahrräder ausgehen, und die Stationen in der Stadt überbelegt sind. Ein Fehler im System, zumindest bei den vollen Ziel-Stationen, denn anders als in München bspw., kann man das StadtRad _nur_ an den Stationen zurückgeben. Continue reading “Stadtrad Hamburg – TEST”

Herr M. wird gebeten, dringend zuhause anzurufen

ICE-TrainAusruf eines Herrn M. L. – es läge eine Nachricht für ihn vor. Meiner Erfahrung nach, sind Lautsprecher in Zügen immer zu laut eingestellt. Und ich sitze immer unter dem kaputten, der knarzt. Vermutlich ein älterer Herr dieser M., ohne IPhone, eines dieser dritten Generation mit einer Gummihaut, um es vor Stoßschäden zu schützen. Sicher hatte jemand vergeblich versucht ihn zu erreichen, denn wir befinden uns inzwischen mitten in Mecklenburg. Das erkennt man schnell daran, dass sich nun HSV-Flaggen in den vergammelten Kleingärten am Rand der Strecke häufen. Hertha-Banner hatte man schon eine Weile nicht mehr gesehen.

Für den Mobilfunk-Empfang war das Wurscht und ich konnte mir gut vorstellen, wie diese wichtige Nachricht an den Grenzen der Zivilisation zurückbrandete zum Empfänger, bevor sie erbärmlich versickerte dann hilflos zu ihrem Sender zurückflog. In Form einer wenig hilfreichen Mailboxansage.

Ob Herr L. auch gerade aus dem Fenster sah, den verpusteten Himmel anschaute und sich auf dem Weg zum Schaffner-Abteil ausmalte, welche Katastrophe es wert war, die heilig dienstliche Verbindung von Bahnhof zum Zug zu nutzen, um sie doch noch zu übermitteln, ihn sicher zu erreichen? Es musste was mächtig schlimmes passiert sein, nur was? Continue reading “Herr M. wird gebeten, dringend zuhause anzurufen”

Hartmut Mehdorn tritt alles mögliche, auch zurück?

Hartmut Mehdorn, mit einem Management-Leder ausgestattet, das jedes Dicke Fell wie eine Seidenbluse erscheinen lässt, tritt in letzter Zeit eine Menge um sich. Laut Der Westen tritt er nach vorn, flüchtig allerdings. Geradezu wild nach allen Seiten tritt der Bahn-Chef in diesen Tagen, will der Focus mitbekommen haben.

Nur eine Frage der Niveauregulierung ist es noch, vermutet der Autor dieser Linksammlung, ob Hartmut Mehdorn ab- oder zurücktritt. Es wird bald sein müssen, sonst hebt der Mann ab – wird quasi unabtretbar (getreten).

“Menschen raus!”

“Wenn sie weiter im Internet ihre Fahrscheine koofen, dann verlieren wir unsere Jobs”, sagte einmal eine Bahnschaffnerin zu mir, als ich ihr mein Online-Ticket vorlegte. Damals war die Reservierung online noch kostenlos. Ein effizientes Mittel, die Sparsamen von den Schaltern weg, hin zur digitalen Fahrkarte zu locken. Nun, das waren noch Zeiten. Welche in denen der Aufschwung noch bevorstand. Nun wird es hektischer, Mehdorn und Co. haben keine Zeit, den eleganten Weg zu gehen. Nun hilft nur noch die Brechstange.

Überhaupt, wenn man sich die Beschwerden und Geschichten der Bahnkunden anhört, dann liegt das ja wohl fast immer am Personal, das da so satt, verträumt und doof gekleidet, sich selbst auch in den verschwurbelten Tarifen nicht zurecht findet. Erst kapiert keiner der Reisenden die Automaten, weswegen man altgediente aber unwillige Bahnbeamten daneben stellt, um Service zu heucheln (alte Bahn, Verwaltungsansatz). Nun soll man dafür auch noch zahlen (neue Bahn, Verwaltungsansatz). Dummer Bahnkunde, wenn Du schlau wärst, würdeste online buchen. “Können wir doch nix dafür, dass die gierigen Bahnschaffner das EBITDA versauen”, meint man ebenfalls zu hören (Neue Bahn, NeoCon-Ansatz – womit die Verwandtschaft zwischen Neocon- und Verwaltungsattitude bewiesen wäre ;).

Überhaupt folgt man da einem Trend. Auch in Fußballstadien braucht man bald keine Menschen mehr. Schon gar nicht von Auswärts. Die Zukunft liegt im Digitalen, da findet auch eine Revolution statt Kinder. Eine von der sich Mehdorn und die DFL das Gleiche versprechen: Gewinn.

Übrigens, die Schaltergebühr hat ein Gutes. Wenn alle Bahnkunden, die nun eingesparte Schaltergebühr aus zwei Hin- und Rückfahrten nehmen (10 EUR) und freiwillig an die Stromkonzerne überweisen, dann können wir die AKWs doch noch vom Netz nehmen.

Studentenbaby, die Leihmütter meiner Kinder

studentenbabyIch habe im beheizten Garten von Tausendsassa Ola Ahlvarsson einen Chinesen kennengelernt, der dabei war, eben in China ein social network für Studenten aufzubauen. Der Clou, man kann sich seinen Studenten als Paten aussuchen, seine Laufbahn fördern und Zeugnisse, Fotos von Saufgelagen und einen Zusammenschnitt von der Aufnahmeprüfung zur ersten Verbindung der Uni bestellen. Dafür finanziert man sein Studium.

Ihm hätte die Idee einer Hamburger Studentengruppe gefallen, die aus Protest gegen die Studiengebühren ihre Körper (beziehungsweise Teile davon, die Frauen ihre Gebärmutter, die Männer ihren Samen – braucht es da noch Indizien für die gescheiterte Emanzipation?) feilbieten:

Unter dem Leitgedanken „Kind gegen Studiengebühr“ stellen sich auf studentenbaby.de Studierende als Leihmütter und Samenspender zur Verfügung, um auf diesem Weg gegen die Einschränkung der Bildungsfreiheit in Deutschland zu protestieren und sich ihr Studium zu finanzieren.

Kunden haben hier nicht nur die Möglichkeit, für 500 € ein Studentenbaby mit den Erbanlagen Ihres Lieblingsstudierenden zu erwerben, sondern sichern so zusätzlich einem jungen Menschen seine akademische Zukunft.
studentenbaby.de garantiert eine reibungslose Kontaktvermittlung, professionelle medizinische Betreuung von Kunden und Studierenden und eine verantwortungsvolle Begleitung des Studentenbabys bis zu seiner Geburt.

Wir schenken Leben. Schenken Sie Zukunft.

Gerüchte, wonach StudiVZ an den jungen Dingern Interesse zeigt, sind ausgedacht.

(Screenshot: studentenbaby.de)

perplexer Supporter, erbärmlicher Leserreporter

Ich gebe es zu, ich bin ein erbärmlicher Leser-Reporter. Da latsche ich heute morgen durch den Bahnhof Dammtor, auf dem Weg zur Arbeit und mental auch schon halb da, als ich zwei Jungs in St. Pauli-Klamotten sehe. Freue mich kurz und denke daran, wie komisch bekannt die mir vorkommen.

Ein paar Meter weiter sehe ich dann den großen schwarzen Lauchtturm Sako inmitten einer Gruppe von schwarz gekleideten Männern. Ach ja, der FC St. Pauli auf dem Weg nach Koblenz. Aber anstatt meiner Chronistenpflicht nachzukommen ist mein Kopf leer. Hören, wie komisch ich mich nach dem Spiel gegen Jena fühlte, wollen die sowieso nicht – das hier wissen sie wohl selbst. Aber wieso fällt mir nichts zu Koblenz ein? Vielleicht, weil unsere Jungs da nur verlieren können. Gewinnen sie, ist die Welt wieder in Ordnung, aber irgendwie erwartet man das von Stani ja auch inzwischen, dass er die Jungs regelmäßig wieder gerade bügelt nach einer solchen Leistung, wie am vergangenen Freitag. Spielen sie Unentschieden oder verlieren, wäre das schon beinahe ein kleine Serie zur Rückrunde und nur fair nach dem Gurkensieg im Hinspiel am Millerntor. Bei dem Gedanken war ich auch schon aus der Tür.

Da stand ich plötzlich vor Stani, der draussen rauchend stand. Ist eben gut erzogen der Mann und warm angezogen war er auch. “Viel Glück” war dann auch alles, was mir schnell noch einfiel. Eigentlich hätte ich ihm auch noch zur bestandenen A-Lizenz gratulieren wollen, war aber schon weiter, am schnorrenden Punker auf der Dag-igrendwieKsöll-Brücke vorbei in das Arbeitsleben.

Ein erbärmlicher Leser-Reporter ich bin.

Sinkflug

“Wir haben bereits unsere Reiseflughöhe verlassen und befinden uns im Sinkflug auf den Flughafen München. Wir möchten Sie bitten nun wieder das Rauchen einzustellen alle elektronischen Geräte …”

Ich verstaue meinen iPod in meiner Hosentasche und greife in die Sitztasche vor mir, wo seit dem Erreichen der Reiseflughöhe die FR ruht. Bernd Begemann und seine (übrigens viel unterhaltsameren) Mitpodcaster hatten mich bis zum wieder Hinabgleiten köstlich unterhalten.

Eigentlich so etwas, wie ein kleines Biotop für Printerzeugnisse so ein Flugzeug, wenigstens während Start und Landung. Denke kurz an die offenen Münder bei den Verlagen, als ihnen ihr Nachwuchs in den Fokusgruppen erzählt, dass sie Zeitungen höchstens noch in der U-Bahn lesen. Auch gefährdet dieser Rückzugsraum für bedrohte Verleger, seit es dort Handyempfang gibt.
Aber der Start und die Landung, das sind strategische Soziotope. Nicht nur für Herrenmagazine.

Sollten ihre Strategie erweitern und Airlines kaufen.
Dann schlafe ich wieder ein, wie immer 10 Minuten vor der Landung.

Followerin

Ich sitze in der S-Bahn. Gegen die Fahrtrichtung, was nicht viel zur Geschichte beiträgt, mir aber immer weniger behagt, je älter ich werde. Ich twittere. Feierabend.

Mir gegenüber sitzt eine junge Frau in einem strengen, aber modischen, hellgrauen Rock, dazu ein passender taillierter Mantel. Sie hat sich ein helleres Rotbraun für das Leder ihrer Stiefel gegönnt. Eine kleine Rebellion in ihrer Welt, so stelle ich mir das vor.

Sie schaut auf ihr flaches Handy. Ein Motorola. Ich sehe nun ihr Profil. Eben und ein wenig silbern.

Die junge Frau liest. SMSen vielleicht.
Dabei lächelt sie und wippt rhythmisch mit dem einen bestiefelten Fuß, der über ihrem rechten Knie liegt.
Sie beisst gerade herzhaft in einen Apfel, als sie anfängt zu lachen.

Sie sieht sich um, bleibt mit dem suchenden Blick an meinem hängen.
“Sie sehen viel jünger aus, als auf ihrem Profilbild“, sagt sie und steigt lachend aus.

Ich fahre noch bis Wedel weiter. Schaue aus dem Fenster und denke erstmal an nichts mehr.

Hamburg-Ottensen: Zimmer frei

Per E-Mail/ BITTE WEITERSAGEN:

Schönes Zimmer in 130 qm Altbauwohnung mitten in Ottensen zu vermieten.
Ca. 3 Gehminuten vom Altonaer Bahnhof entfernt, 5 Minuten zur Elbe und ins
Zentrum von Ottensen. Das Zimmer liegt zu einem ruhigen Hinterhof hinaus, hat
einen schönen Pitchpinefußboden und ist, bei Bedarf, teilmöbliert.
Mutter und Tochter suchen eine weibliche Mitbewohnerin.
Ihr erreicht uns hier: 040-2xxxx xxx (ernstgemeinte Anfragen bitte per E-Mail oder in den Kommentaren)

Ach, und nette Nachbarn haben die beiden auch ;)

“Altona 93 ist das neue St. Pauli”

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Ich stehe beim Getränkehöker im Dorf. Wir beschnacken letzte Einzelheiten der Lieferung.
Neben mir steht ein älterer Mann, graues Haar, schwarzer Kapuzenpulli mit Totenkopf drauf. Allem Anschein nach ein Nachbar und ein in die Jahre gekommener Autonomer. Wir kommen ins Gespräch. Über den Stadtteil und den FC St. Pauli.

“Ich hab mir gerade eine Dauerkarte bei Altona 93 gekauft”, sagt er. “Da gibts noch echten Fußball. Ohne den ganzen Kommerz.”

Diese Ansage höre ich hier in letzter Zeit häufiger: “Altona 93 ist das neue Pauli”.

Wie das so ist, wenn ähnliche Gemüter und ewige Rivalen zu einem Testspiel Freundschaftsspiel aufeinander treffen, kann man sich heute Abend an der Adolf-Jäger-Kampfbahn ansehen, ein Stadion, das frei von der Gefahr ist, seinen Namen verkaufen zu müssen.
und gemeinsam schwelgen in alten Erinnerungen. Mit der bitteren Gewissheit (wie ich in den Kommentaren erst erfahren habe), dass auch Graswurzelfußballer zur finanziellen Sanierung ihre Seele verkaufen müssen.
Ich werde es wohl verpassen, freue mich aber immer wieder über die Tradition, das erste Spiel nach der Vorbereitung in Altona zu spielen. Eine nette Nachbarschaftsgeste und bestimmt frei von Nazis. Pure Fußballfreude.

Heimat Hamburg-Harburg: “Ej Alder, den reden wieder über disch”

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Es ist Sylvester, bei einem Linie Aquavit kommen Ö. und ich auf unsere Jugend zu sprechen. Von der Faszination, die die Gewalt auf den Straßen St. Paulis auf uns ausübte, die regelmäßig zu uns rüber schwappte, zu ihm nach Altona und zu mir ein wenig weiter westlich. Die Ahnungslosigkeit unserer Eltern, die Ignoranz, mit der die Probleme verdrängt, medial nicht thematisiert und dann von uns, wegen unseres Eintritts in die Erwachsenenwelt aus den Augen verloren wurden.

Nun hat Roland Koch das Thema zu einem Politikum gemacht. Es mithilfe der BILD auf den rotbraunen Boulevard geschleift. Unlautere Absichten darf man ihm da wohl unterstellen. Aber sind da „unsere“ besser? Wir, die wir mit einer Mischung aus erleichterter Distanz, gebildetem meist positiven Rassismus und Abscheu auf die Ereignisse um Sylvester in München schauen? Auf die Reflexe, die da in Medien und Politik, in uns ablaufen.

“Ey alder, den reden wieder über uns. Krass”, höre ich es auf den Schulhöfen und Bahnhöfen meiner Stadt. “Die Wichser, wie geil ist das den”.

Die Situation, dass 30 Champs auf dem Gänsemarkt meinen Bruder und mich umringen – aus purem Zufall, und weil wir einen der Jungs kannten, nichts weiter passiert ist – ist mir noch sehr gegenwärtig und 20 Jahre her. Das hätte durchaus so ausgehen können, wie die Situation in Harburg die Tage. Nix Neues also, und ein Grund weswegen sich Koch und Konsorten schämen sollten. So gehörig schämen. Tun sie vielleicht sogar und inszenieren deswegen dieses schwarz-bräunliche Dumpfdenkmanöver.

Natürlich gehören die Jungs, die den alten Mann totprügeln wollten, in den Knast! Auch die in Harburg. Ihre kleinen Brüder aber gehören pädagogisch mit aller Macht gefördert. In funktionierenden Vorschulen, als Deutsche erster Klasse. Imho der Kern dieser Debatte, dass da immer noch von Ausländern gefaselt und wirklicher gesellschaftlicher Fortschritt verhindert wird.

Ausgesetzt 2.0

“Bitte alle aussteigen, dieser Zug wird ausgesetzt”

ausgesetzt

… stehe also auf dem Bahnhof und denke gerade, dass das ganz schön brutal ist, einfach so Züge auszusetzen bei der Kälte, als ich das arme Paar Schuhe da neben der Mülltrenne stehen sehe.

Traurig, so ein paar verlassene Schuhe. Spontan kommt mir die Idee einen Verein zu gründen, der sich um all die anderen ausgesetzten Dinge kümmert, die die Menschen jetzt vor Weihnachten so achtlos wegschmeissen. Dem hinterlassen dann die ganzen Internetmillionäre ihre Erbschaften, mit denen ich dann durchbrenne.

Als ich zuhause ankomme habe ich den Plan aber schon verworfen. Immerhin, bis Betriebsschluss haben es die ollen Sneaker noch schön warm.

Weibliche Bahnfahrtricks

Eigentlich ist das schöne am Bahnfahren ja das Kennenlernen von entspannten Menschen, BahnfahrerInnen sind nämlich meiner Erfahrung nach wesentlich entspannter als Flugpassagiere und Autofahrer, was an der Stoik liegt, die man braucht, um die Verspätungen und andauernden Personalwechsel zu ertragen. Na ja, bis auf breite Soldaten am Freitag und Hansa-Fans, die meist in Personalunion auftreten.

Wenn man aber mal wirklich seine Ruhe haben möchte, dann hat das Nuf einen Trick parat, den ich noch nicht kannte:

Deswegen buche ich für mich gleich immer ein ganzes Abteil. Immerhin kann man ein Abteil für nur neun Euro für sich alleine haben. Man bestellt seine Tickets einfach im Internet und gibt fünf Kinder unter fünf Jahren an und dass man auf keinen Fall in einem Großraumabteil sitzen möchte.

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Big black suitcase

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Wenn ich Bombernleger wäre, besser noch Bombenlegeauftraggeber, denn inzwischen bin für Sprengstoffgürtel zu alt, liebe das Leben zu sehr und meine bescheidenen Annehmlichkeiten.

Also, wenn ich die Strippen ziehen würde, ganz hinten, mitten in der Stadt, dann wäre mein Attentäter eine Frau. Blond, nicht unbedingt naturblond, das darf man ruhig sehen. Ein rotes Top würde sie tragen, nicht zu sexy, den ersten Knopf aber dennoch offen. Ein dezenter Hingucker.

Sie wuchtet einen schwarzen Samsonite durch den Zug. Riesig und schwarz.
Vermeintliche Kavaliere machen Platz, der Schaffner in seiner labberigen, von der Kartenzange verbeulten, Anzughose macht sich dünne.

Echte Kavalieren helfen ihr, den Bombenkoffer, in den eine unvorstellbare Menge Sprengstoff passt, in den Speisewagen zu wuchten, die neuralgische Stelle im Zug, zwischen erster und zweiter Klasse. Da wäre ich sicher, die Richtigen zuerst zu treffen, Erste-Klasse-sich-Gönner und verhärmte “Bahn-Comfort-Beharrer”.

So sähe sie aus, meine Attentäterin. Sie lächelt, genau so, wie die Frau, die sich eben mir gegenüber hinsetzt.

Der letzte bewusste Gedanke dieses Dummkopfes, wäre das Erstaunen über ihre tiefschwarzen Augen. BUMM!

BILD’s Verlosungsaktion mit Bahncard 100 unter der Lupe

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Ich fahre seit Jahren Bahn, und das sehr gerne. Bin trotz allem ein wahrer Bahnfan geblieben. Zumindest auf den ICE-Strecken, ohne Umsteigen.

In diesem Zusammenhang bin ich oft Nutzer der “City Option” der Bahncard, die bspw. bei einer Fahrt nach Berlin eine kostenlose Weiterfahrt im Netz der BVG – jedoch unter ganz bestimmten Bedingungen – erlaubt.

Kein Wunder also, dass ich bei Formulierungen, wie in der heutigen BILD München, die werbewirksam die da die so gen. mobility Bahncard 100 verlost, stutzig werde:

“Sie gilt für … S-Bahnen und U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen in über 100 Städten … (City Ticket)”.

Ich wollte es genauer wissen und fragte bei der Bahn nach:

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