Pro Westerwelle

Ich entdecke an mir eine merkwürdige Eigenschaft. Immer wieder: je stärker die Mehrheit sich meiner Meinung oder Ansicht anzuschliessen scheint, desto stärker wird der Drang von ihr abzurücken.

Was man durchaus mit einem latenten Beschützerinstinkt, als auch mit einem übersteigerten Hang zum Avantgardismus erklären kann. Wollte ich gemein sein gegenüber mir selbst, würde ich das als eigensinnige Labilität auslegen, das immer zur kritischen Minderheit Gehören-wollen.

Heute hat ausgerechnet ein Text in der Mopo diesen Effekt ausgelöst. Jürgen Todenhofer schreibt dort über seine Eindrùcke aus Libyen und über Guido Westerwelle:

“Man muss keine Bomben werfen, um Fruende zu haben. Der Kurzbesuch Westerwelles hat hier viel bewirkt. Ich sage dies als ausgewiesener Kritikwr des Außenministers. … Westerwelle war im richtigen Augenblick in Libyen, hat die richtigen Worte gefunden.”

Der Text hat mich weniger erstaunt, als meine emotionale Reaktion darauf. Ich hatte die Demontage Westerwelles zuerst mit einiger Genugtuung verfolgt, schien er sie ja selbst zu zelebrieren. Immer mehr aber, als unterstützende Stimmen ausblieben (Brüderle zähle ich mal nicht hinzu), erhob sich dieser oben beschriebene Reflex. Ich halte allzu grosse Einhelligkeit für ein Alarmsignal.

Im Falle Westerwelles erspüre ich eine gefãhrliche Mischung aus politischer Taktiererei, aggressiver weil zum eigenen Arschretten praktiziert, und einem kollektiven, vielleicht unterbewussten Aufatmen, dass dieser klemmige und technokratische Westerwelle die Bühne verlässt.

Ich mag den Politiker Westerwelle immer noch nicht, aber er ist vom Establishment zum Aussenseiter gebrandmarkt. Und solche mag ich grundsätzlich. Geht mir bei Michael Oenning auch so ;)

London riots …

Der Aufstand der Ungebrauchten.

Genau das haben wir auf der #mlove11 diskutiert, der Kapitalist Butcher und ich.

“There will be a price on my head”, sagte Mike Butcher nach einer unserer Sessions auf der #mlove11 und meinte damit, dass die Personalisierung in der digitalen Welt sich dahin weiterentwickelt, dass unsere Kaufentscheidungen und persönlichen Vorlieben nicht nur Ziel von Werbung sind, sondern unsere Persönlichkeit selbst einer Aktie ähnlich mit einem Preis versehen werden kann. Eine Entwicklung, die ich auch befüchte und bei der viele von uns sich wundern werden, was für einen Ramsch ihr Leben darstellt, monetär gesehen.

Und was war das i8m Kern in London? Der Aufstand der Ungebrauchten, der menschlichen Penny-Stocks, der abgeschriebene Ich-AGs, für die jeder Montag ein schwarzer ist.

ZEIT ONLINE: Sind die Unruhen in London ein Teil der Suche nach neuen Modellen jenseits des Kapitalismus?

Žižek: Nein, ganz bestimmt nicht. Ich teile da auch nicht die Bigotterie vieler Linker, die im selben Atemzug die Gewalt verdammen, in dem sie für Verständnis für diese Leute werben – etwa was soziale Ursachen anbelangt. Nein. Was man hier sieht, ist genau die post-ideologische Gesellschaft, wie die Neoliberalen sie so gerne wollten. Zygmunt Bauman war auf dem richtigen Weg, als er von der Randale unbrauchbarer Konsumenten sprach. Es handelt sich um enttäuschte Konsumenten, die einer perversen Form des Konsums, einem Karneval der Zerstörung, nachgehen. In viel schlechteren Situationen haben es Menschen geschafft, sich politisch zu organisieren, was hier vollkommen misslang.

Ich verstehe von Politik ja nicht viel, aber das klingt in meinen Ohren plausibel. Der Unterschied zwischen neo-konservativen und linken Positionen wären dann die Konsequenzen, die wir aus dieser Erkenntnis ziehen?

Print vs Web – von verschenkter Mühe und rosa Schals #Mopo

Ich werde diese Geschichte nun immer dann erzählen, wenn das Thema auf (Print-) Journalisten kommt, die für eine Zeitung (wahlweise auch TV) arbeiten und deren “Beitrag für online”, wie das digitale Publizieren in Verlagen genannt wird.

Am vergangenen Sonntag klingelte es an der Haustür. Die Mopo stellte sich vor, in Gestalt einer Redakteurin und eines Fotografen. Ihnen wären die rosa Bänder aufgefallen, die am Ottenser Marktplatz aus den Fenstern und von Balkonen der Häuser hängen.

Ich gab den beiden dieselbe Erklärung, wie in diesem Blog, mochte aber nicht mit auf ein Foto.

Am Ottenser Marktplatz wehen seit der Altonale pinke Fahnen aus den Häuserfenstern. Übrig geblieben von einer Aktion des Kaufladens Konus. Unabgesprochen lassen die meisten ihre Fahnen weiter hängen. Sieht schön aus – und führt zu lustigen Nachfragen von Touristen (von denen wir viele haben inzwischen) und Spaziergängern.

Heute erschien nun ein Foto unseres Hauses mit zwei seiner Bewohner drauf. Ein Foto. Mit einer kurzen Bildunterschrift. Was? Das soll alles sein, was die mindestens zwei längeren Gespräche und Fotos des Fotografen erbracht haben? Kein Blogpost, kein Artikel? Vielleicht ein Nachfragen beim Initiator Konus für einen weiteren Artikel?

Nix. Und das ärgert mich ja fast schon, denn Platzprobleme, technischer oder zeitlicher Art hat man online nicht. Ich wette, ein Online-Beitrag hätte über 5 Jahre eine höhere Reichweite und Aufmerksamkeit, als das Bild in der Mopo, zwischen Sommerrätsel und Sportteil.

Mopo - Haus mit den Rosa Schals
Mopo - Haus mit den Rosa Schals

Konsequenzen politischen Handelns

Das kann ich mir sehr gut vorstellen, dass der Herr Sarrazin da doof geguckt hat, als er aus einer türkischen Kneipe herausgerufen wurde.

Der umstrittene ehemalige Berliner Finanzsenator Sarrazin besucht in Kreuzberg ein türkisches Restaurant – und verlässt es, weil Stammgäste ihn dort nicht haben wollen. “Da ist der Rassist!”, rufen Passanten, als er über die Straße geht. Er sieht sich selbst als Opfer: “Ein verdienter Senator wird herausgemobbt”, so das SPD-Mitglied. (n-tv)

So ist das mit den Schizophrenen in der Politik, die das Wirken ihrer Politik, ihr Wirken in der Politik nicht auf die Privatperson angewendet sehen möchten, völlig außer Sicht lassend, dass ihre Politik ja tausende private Leben beeinflusst oder schlimmstenfalls ihnen den Boden entzieht. Die Fegebank war ebenso empört über den Rausschmiss aus dem Jolly Roger – und auch wenn ich die Dame nicht mit dem Rassisten Sarrazin vergleiche möchte, weder politisch noch privat, so kann es sein, dass ihr politisches Gekuschel mit dem Abschieber Ahlhaus mehr privates zerstört hat, als alle Kopien Sarrazinscher Hetze zusammen.

-via

Du weisst, Dein Viertel wird gentrifiziert, …

Wenn:

  • Deine Nachbarn dich verklagen, statt Dir Schläge anzudrohen
  • Menschen über 40 den ganzen Sommer in Schlappen herumlaufen.
  • Auf BMWs und SUVs vor Deiner Tür “St. Pauli Aufkleber” prangen. Oft neben dem der örtlichen internationalen Schule.
  • Kinder nicht laufen, sondern in Wagen gefahren werden, die soviel kosten, wie Dein Auto.
  • Zunehmend schwäbisches statt anatolisches Deutsch gesprochen wird.
  • Hip-Hopper weg, Pop-Hopper hinziehen. (Und Du Platten von ihnen im Schrank hast (Never mind Fettes Brot ;) )
  • Nur die pensionsreifen Lehrer_innen an der Grundschule Deiner Kinder noch im Viertel wohnen.
  • Die Selbsthilfe-Werkstatt in ein Industriegebiet zieht
  • Starbucks
  • Statt Vereinsemblemen, die Menschen “North Face” auf ihren Jacken tragen.

… und Dir wird klar, dass Du Teil dessen bist, wenn Du bei einem Fair-Trade Rebellencaffee diese Zeilen in Dein Ipad tippst.

Was US-Studenten mögen, essen, konsumieren …

… das kann man in Marktforschungen herausbekommen, wie in der tollen Bravo-Studie, die regelmäßig die Gewohnheiten und Vorlieben der deutschen Jugendlichen erhebt.
Oder man betrachtet ihr Verhalten in sozialen Netzwerken.

Und findet erstaunliches heraus. Beispielsweise, dass unter amerikanischen Studenten die elektronische Macht der Firma Apple erschreckend groß ist. Oder dass die 80er Jahre im Bier-Konsum sich wiederbeleben. Corona, mein lieber Scholli … und dazu Country Music vom Ipod ;)

facebook according to college students
facebook according to college students

via tnw

ZDF schon heute: Übermorgen haben wir alle einen Preis an unserem Namen

“There will be a price on my head”, sagte Mike Butcher nach einer unserer Sessions auf der #mlove11 und meinte damit, dass die Personalisierung in der digitalen Welt sich dahin weiterentwickelt, dass unsere Kaufentscheidungen und persönlichen Vorlieben nicht nur Ziel von Werbung sind, sondern unsere Persönlichkeit selbst einer Aktie ähnlich mit einem Preis versehen werden kann. Eine Entwicklung, die ich auch befüchte und bei der viele von uns sich wundern werden, was für einen Ramsch ihr Leben darstellt, monetär gesehen.

Wundere mich nur darüber, dass das ZDF mit seinem Videoblog “Übermorgen TV” schon mit meinem Profil anfängt … und wie billig ich bin:

Uebermorgen.TV Fluch und Segen der Personalisierung im Web
Uebermorgen.TV Fluch und Segen der Personalisierung im Web

Flunkern: was in Zukunft nicht mehr geht … oder, die neue Ehrlichkeit #HD

Wir stehen vor einer Zeitenwende. Ehrlichkeit ist keine Tugend mehr, sondern Mittel zur Raison. Denkt man Facebooks Gesichtserkennung und das mediale Aufnehmen im öffentlichen und privat-öffentlichen Raum (Festivals, Rock-Konzerte, Fußballstadien) zusammen, dann sind kleine Ausreden nicht mehr möglich:

– Chef, ich fühle mich heute nicht.
– Mama, ich bin dann mal zum Klavierunterricht
– Schatz, ich bin mit ner Freundin bei Udo Lindenberg

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827

827 Tage noch, dann liegt die erste Hochrechnung vor. Dann ist Angela Merkel ganz bei sich, wenn sie ihre Abschiedsrede in der ARD formuliert. Vielleicht gratuliert sie einem Piraten grünen Kanzler mit Migrationshintergrund. “Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der ihn beschützt.”

Ist Merkel Kanzlerin?

Peinliche Chauvinisten?! #Merkel #BILD

Die Anti-Griechenland-Stimmung, die in vielen deutschen Medien verbreitet wird, ist hochgefährlich. Und wir sitzen im Glashaus: Nur durch den weitgehenden Schulden- und Reparationsverzicht seiner Kriegsopfer aus dem Zweiten Weltkrieg ist Deutschlands Wiederaufstieg möglich geworden. -SPON

Es ist nicht nur gefährlich, was die Kanzlerin in unheilvoller Allianz mit dem roten Boulevard an chauvinistischer Meinungsmache betreibt. Es auch noch so unsagbar peinlich! Als Europameister des Schulden-machens wäre eine kleinere Klappe angemessen – Solidarität ohnehin.

Der große Raub #Kindheit

“Schon 1993 (als uns die Chinesen noch egal waren und es keine Schulvergleiche gab) passierte es: Da empfahlen die Finanzminister aller deutschen Bundesländer, Euch ein Schuljahr wegzunehmen. Nicht die Kultusminister, die sich um die Schulen kümmern! Sondern die Politiker, die aufs Geld aufpassen, die Zahlen statt Menschen sehen und deshalb wissen: Jeder Gymnasiast kostet 5000 Euro im Jahr. Geld für die Lehrer, den Hausmeister, die Tafeln und Turnmatten. Allein an Dir und Deinen 27 Klassenkameraden konnten sie also 140.000 Euro sparen.

Deshalb wurde Euch ein Jahr aus der Schulzeit gestrichen – aus dem Lernstoff aber strich man nur wenig. Ihr sollt auf dem Gymnasium in acht Jahren begreifen, wofür Eure Eltern noch neun Jahre Zeit hatten. Unseren Mangel an Zeit – wir haben ihn zu Eurem gemacht.

Deshalb hast Du jetzt eine 40-Stunden-Woche voller Unterricht und Hausaufgaben. Deshalb hast Du vor wenigen Monaten das Gitarrespielen aufgegeben.”

… schreibt Henning Sußebach bei Zeit-online einen offenen Brief an seine Tochter, die Selbstanklage und Mahnung ist. Ich könnte heulen, wenn ich das lese.

Leseempfehlung zum Thema Facebook und Gesichtserkennung, Datenschutz und Überwachung

//Die Neuerung ist, daß Facebook jetzt automatisch eine Gesichtserkennung durchführt, anstatt daß der Freund das manuell mit seinem eigenen Gehirn tun muß. Mein Name wird dem Freund dann automatisch vorgeschlagen, anstatt daß er ihn manuell eingeben muß.

Man kann diese Funktion abschalten. Dann führt Facebook die Gesichtserkennung immer noch durch. Denn: bis das Gesicht erkannt worden ist weiß Facebook ja nicht wer darauf zu sehen ist, und wie diese Person die Privacy Settings eingestellt hat, schlägt dann aber den gefundenen Namen nicht mehr automatisch vor. Die Operation ist technisch also dieselbe. Nur das Ergebnis wird geheim gehalten.

Meine Twitter Timeline, meine Facebook Timeline und meine RSS Feeds sind heute voll von Ratschlägen, wie man “die Gesichtserkennung” abschalten kann.

Das kann man nicht.
Prinzipbedingt.

Man kann nur das Anzeigen des Ergebnisses bei seinen Freunden unterdrücken. Das ändert genau gar nichts. Aber man fühlt sich echt besser.
Placebo Forte N, Anstaltspackung – heute im Sonderangebot.// – Kristian Köhntopp

##

//Facebook erkennt, dass ein Gesicht auf dem Foto zu sehen ist, nimmt diese Gesichtsbilder-Auswahl, erkennt darin ähnliche Bilder und gruppiert sie entsprechend. Bevor eine Person ins Spiel kommt, hat Facebook bereits zweimal auf euren Uploads Gesichter erkannt.

Theoretisch und in dem Fall, dass ihr bereits auf einem Foto getaggt- und ihr mit der Person befreundet seid, erkennt Facebook Personen und nun schlägt Facebook automatisch euren oder Freundesnamen vor.

Dumm, dass die automatische Gesichtserkennung, bzw Personenerkennung bei mir gar nicht funktioniert.// @svensonsan auf pop64.de

Übrigens: Folgende Überwachungstechnologien und -maßnahmen werden in Deutschland bereits eingesetzt oder sind bereits beschlossen. Kritiker sehen hierin bereits deutliche Schritte hin zu einem Überwachungsstaat. Continue reading “Leseempfehlung zum Thema Facebook und Gesichtserkennung, Datenschutz und Überwachung”

Wie “Privat” ist man im Social Web? #Arbeitgeber #Facebook

Kommunikative Fähigkeiten im social web sind inzwischen Standard-Anforderungen an den modernen Arbeitsplatz und Arbeitnehmer. In Zeiten der Post-Ich-AG setzen Unternehmen, vor allem diejenigen der Digitalen Wirtschaft, Medien und Hersteller von hippen Konsumgütern und Dienstleister, auf Angestellte und Freiberufler, die sich auch im Internet zu bewegen wissen.

Wie wollen wir das aber regeln, wenn Arbeitszeiten oder der Ort an dem ich kommuniziere allein nicht mehr zur Unterscheidung taugen, ob eine Äußerung als Privatperson oder als Angestellter eines Unternehmens erfolgen. Das ist wichtig zu wissen und zu diskutieren. Zwei aktuelle Beispiele kommen mir hier in den Sinn. Zum einen der Fall des Asstel-Experten, der für sein Unternehmen bei gutefrage.net Antworten, auch zu versicherungsfremden Fragen, gegeben hat. Zum anderen Stefan Keuchels wütender Hinweis an Facebook, dass ihm das Auffinden, Verstehen und Löschen von Facebooks Gesichtserkennung zu umständlich ist.

  • Haben wir das noch selbst im Griff, dass uns unsere sozialen Kontakte als Privatpersonen wahrnehmen?
  • Hat das mit der Tageszeit zu tun? – Sind private Äußerungen nur nach Büroschluss erlaubt?
  • Sollten wir private Äußerungen markieren?
  • Haben Angestellte eines Unternehmens das Recht, ihre Meinung und Expertenschaft bspw. bei gutefrage oder wer-weiss-was zu kommunizieren, wenn sie sich an die Regeln halten?
  • Eine spannende Diskussion, die wir nicht den Juristen überlassen sollten.

    Disclosure:
    Der Autor ist mit Stefan Keuchel bekannt, würde diese soziale Beziehung als öffentlich-privat bezeichnen. Außerdem möchte er als GF des Wissens-Dienstes wer-weiss-was zu der Causa Asstel keinen wertenden Kommentar abgeben, hält die Diskussion aber auf der Meta-Ebene für spannend und angebracht.

    Die ersten ihrer Art #Hamburg #Spanien #Arabien

    Wir sind die ersten unserer Art in Deutschland. In Nordafrika, in Arabien gibt es sie schon, in Spanien auch. Menschen, die den abgenutzen Worthülsen ihrer Parteien und Regierungen genausowenig trauen, wie dem Versprechen von Versicherungen Klartext reden zu wollen, wenn sie hinten rum die Witwenschüttler ins Bordell schicken. Ausdruck findet dieses Lossagen in vielen kleinen Formen und ist in Deutschland noch weit weg von spanischen Verhältnissen.

    Wenn man genau hinsieht, dann kann man sie sehen, die Zeichen. Kühe, die gegen die Staats- und Spekulantenmacht anmuhen, denen dann so gefährlich erscheinen, dass man sie verkloppen muss. Nachbarn, die im Haus und für die Stadt die Kontrolle über Grundlegendens wie Energie zurückerhalten wollen. Das Gängeviertel auch immer noch. Menschen, die ihren Lebensraum auch politisch zurückfordern, noch sind es wenige, sie sind leise. Aber wenn Du genau hinschaust, Olaf, dann kannst Du sie sehen. Und sie sind gekommen, Deinesgleichen, die Demokratie nur spielen, um in Zirkeln dann zu regieren, abzulösen. Mit einer Selbstverständlichkeit, die dem Recht innewohnt. Ihrem Recht. Meinem.

    Tschernobyl – Fukushima – Lörrach?

    Greenwashing, das nach hinten losgeht. Toll!

    In Baden-Württemberg schrieb EnBW gemeinsam mit dem “Ministerium für Kultus, Jugend und Sport” sowie der “Stiftung Kulturelle Jugendarbeit” den Wettbewerb “Energie-Reporter im Einsatz” aus. Die Idee des Energie-Riesen: Kurze 3-5 minütige Videoclips sollten in Gruppen, z.B. an Schulen gedreht und eingereicht werden.

    Doch das kam den Schülern der Neumatt-Schule komisch vor:

    “Ich glaub, mit dieser Aktion, da wollen die sich nur bei uns einschleimen” – “es gibt doch heutzutage viele Menschen, die gegen Atomkraftwerke sind und gegen Atomkraft und die wollen uns jetzt sozusagen eine Kamera schenken, damit wir was besseres von denen denken und einfach für die sind – aber ich lass mich von denen nicht einschüchtern” Continue reading “Tschernobyl – Fukushima – Lörrach?”

    Sanfter Tugendterror

    Das Quartier heißt nach einem französischen Marschall, weil es aus früheren französischen Kasernen besteht; diese wurden nach Abzug der Soldaten in eine Art Mustersiedlung für ökologische Stadtbürger umgebaut. In Vauban haben am Sonntag bei der Landtagswahl die Grünen 72,2 Prozent der Stimmen erlangt. Die CDU schaffte dort 3,6 Prozent. Das sind alles sehr nette, behütete und freundliche Menschen in Jack-Wolfskin-Jacken; wer aber einmal durch das Vauban-Viertel gegangen ist, der weiß auch, wie sanfter Tugendterror in unserer Zeit aussieht.

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    Facebook Targeting verwirren

    Wenn man seine digitalen Spuren nicht adäquat managen kann, sie sich ganz von alleine zu einem Profil verdichten, auf das Werbetreibende dann auch anlegen und abfeuern können (targeting), dann bleibt einem nur das maskieren der Daten. Das Unsinnig-machen.

    Für Facebooks Targeting Engine bin ich 101 Jahre alt, so alt wie der magische FC und weiblich. Dann macht die Werbung oben auch Sinn.

    Was zu beweisen war, leider #Fukushima

    “Sind Gesellschaften, wie wir sie kennen, überhaupt imstande, mit Kerntechnik richtig umzugehen? Wenn »richtig« heißt, dass große Schäden und große Angst ausgeschlossen sind, dann ist diese Frage von der Geschichte zweimal verneint worden, erst in einer sozialistischen Diktatur (Tschernobyl) und dann in einer kapitalistischen Demokratie (Fukushima). Offenbar sind weder Staat noch Kapital gefeit gegen die Versuchung, Sicherheit gegen Gewinn zu tauschen, und es ist keine Welt in Sicht, in der das anders sein könnte.”

    v. Randow, selbst lange verstrahlt, in DIE ZEIT

    Olaf Scholz – nun müsste es Aufenthaltsgenehmigungen hageln, oder?

    Olaf, nun bist Du Bürgermeister. Dafür erstmal herzlichen Glückwunsch. Ich hatte bei Dir angefragt, wie Du denn den Fall Samir beurteilst, der Fall des 13-jährigen Spielers unseres FC St. Pauli beurteilst, für dessen Bleiberecht Dutzende Hamburger eine Petition eingebracht haben:

    … haben Sie vielen Dank für Ihre Anfrage. Ich kenne den Fall des kleinen Samir
    und seiner Mutter natürlich nicht aus eigener Anschauung, bin aber
    zuversichtlich, dass der Eingabenausschuss und die Härtefallkommission der
    Hamburgischen Bürgerschaft eine gute Entscheidung treffen werden.

    Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten finden, dass gut integrierte
    Kinder und Jugendliche eine reale Bleiberechtsperspektive erhalten müssen,
    unabhängig vom Aufenthaltsstatus ihrer Eltern. Wir möchten denjenigen
    Flüchtlingen eine echte Chance geben, die sich anstrengen, aus eigener Kraft
    in unserer Gesellschaft zurechtzukommen. Deshalb haben wir uns in den
    vergangenen Jahren in Hamburg und auf Bundesebene immer wieder dafür
    eingesetzt, die Kettenduldungen abzuschaffen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Olaf Scholz


    Landesvorsitzender der SPD Hamburg

    p.s. Was macht denn die Petition? Wann beschäftigt sich die Hamburger Bürgerschaft denn mit Samirs Fall?

    Schwarz durch Einreise

    Stuart Hall (1994) verweist in dem Aufsatz-Band Rassismus und kulturelle Identität auf die soziale Konstruktion der Kategorie Schwarz. Mit Einblicken in seine Biographie erläutert er, wie er erst durch die Einreise nach England zu einem als Schwarz markierten Menschen wurde. In den 1950er Jahren migrierte er zum Studium von Jamaika nach England und wurde dort mit einer Kategorisierung konfrontiert, die in seinem vorherigen Leben in Jamaika nicht relevant war:

    “Bis zu meiner Abreise hörte ich niemals, daß jemand sich selbst oder die anderen als Schwarz bezeichnet hätte, obwohl vermutlich 98 Prozent der Bevölkerung Jamaikas schwarz oder auf andere Weise farbig sind. Niemals hörte ich das Wort schwarz, dafür aber mehr als tausend andere Bezeichnungen” (ebd.: 79).

    Quelle: Melanie Groß, “Feministische postkoloniale Positionen”

    Die Kriegsrhetorik des Horst Seehofer #Aschermittwoch

    … beim Thema “Zuwanderung” kann man inzwischen von einem “Krieg” sprechen, einem Kampf -manchmal gegen die eigenen Moralvorstellungen, die tief im Grundgesetz verankert sind -und das Wehren gegen Immigrantenbewegungen, das immer mehr einer sinnlosen Verteidigung ähnelt. Insofern kommt Seehofers Wortwahl nicht von ungefähr …

    … und verdeutlicht einmal mehr, in welcher Gedankenwelt dieser Mann lebt:

    “Der Krieg ist längst verloren, als am 9. März der Befehl erlassen wird, der in den letzten Kriegstagen noch mehr Berliner in den Tod treiben soll – der “Grundsätzliche Befehl für die Vorbereitungen zur Verteidigung der Reichshauptstadt”. Der Auftrag lautet: “Die Reichshauptstadt wird bis zum letzten Mann und bis zur letzten Patrone verteidigt.” Ein Netz von Gräben und Sperren soll errichtet werden. Der Befehl trägt die Unterschrift Hellmuth Reymanns. Nach dem Krieg streitet er ab, diese sinnlose Anordnung zum Durchhalten erlassen zu haben.”

    Video: Youtube, via
    Text: Berliner Zeitung, via

    Auf halbem Weg in die digitale Demokratie?

    Vor 5 Jahren habe ich bei der Website “Die Gesellschafter” meine Prognose zu der Entwicklung der Gesellschaft “in 10 Jahren” abgegeben. Wir sind nun die halbe Strecke gegangen …;

    10 Jahre zurück: Was war wichtig?
    Man selbst. 1996 war der Höhepunkt der Loveparade und des Ich-zentrierten Lebensgefühls. Übrigens völlig unpolitisch, diese Zeit.

    10 Jahre nach vorn: Was wird wichtig?
    2016 wird das Jahr der direkten Demokratie. Lobbyisten, Parteien und Beamte wissen nicht weiter, nach drei wechselnden kleinen Koalitionen ist klar: den Karren ziehen nur die Menschen selbst aus dem Dreck. Dafür fordern sie Mitsprache, direkte Mitsprache.

    … und wenn man nun den Rücktritt des Herrn zu Guttenberg als Bergfest bezeichnen möchte, meinetwegen.

    Avaaz – wenn die Welt ruft

    Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie sehr Entscheidungsträger auf direkte Ansprache jenseits von politischen, demoskopischen oder medialen Kanälen angewiesen sind. Eine Flut an persönlichen Aufforderungen zu einem Thema kann hier mächtiger sein, als jeder Lobbyismus. E-Mails für den Frieden versucht die Organisation Avaaz.org zu bündeln und die Vereinten Nationen und die EU zum Eingreifen in Lybien zu veranlassen. Continue reading “Avaaz – wenn die Welt ruft”

    Merkwürdige Hooligan-Debatte

    Um das mal klarzustellen: Wenn ich angegriffen werde, bin ich ebenfalls “gewaltbereit” – das nennt sich juristisch dann Notwehr!

    „Tendenziell sind die HSV-Hooligans gewaltbereiter. Sie neigen dazu, Fans verfeindeter Vereine gezielt anzugreifen“, sagt Gunter Pilz (66), Professor an der Uni Hannover und Hooligan-Experte. „Die gewaltbereiten Fans des FC St. Pauli schlagen in der Regel nur dann zu, wenn sie selbst angegriffen werden.“ – MoPo

    Wahlkampfthema Schule – Gymnasien modernisieren

    Ich habe ähnliches zu hören bekommen, auch bei dem obligatorischen Schulbesichtigungsmarathon den wir letztes Jahr für die weiterführende Schule meiner Tochter unternommen haben. Eine Klassenlehrerin in spe sagte sinngemäß, dass die Kinder von den Grundschulen so offen und umfassend ausgebildet seien, dass die Gymnasien dies gar nicht adäquat umsetzen könnten – schlimmer, ihre Energie darauf verwendeten, die Kinder in das gymnasiale Schema zu pressen.

    Das Gymnasium ist nicht nur die reformbedürftigste Schulform in Hamburg – sondern auch die, die nicht erste Wahl sein sollte, wenn ich ein Kind habe, dass normal- bis leicht höherbegabt ist. Ich erlebe zurzeit kein Gymnasium, das mit dem pubertären Durchhänger in den Klassen neun und zehn angemessen umzugehen in der Lage ist. Keins, das bereits hinreichend mit zeitgemäßen Unterrichtsmethoden vertraut wäre oder gar in Teams arbeitete. Keins, das ich wirklich empfehlen kann. Ja, ich kenne nicht viele Gymnasien, sondern nur die, auf die Kinder von Freunden gehen oder Freunde unterrichten. Aber in dieser Stichprobe ist das Ergebnis verheerend.

    via Haltungsturner

    5 Euro für den Unterschied zwischen Dioxin-Eiern und Bio-Eiern

    Wer ein monatliches Einkommen von mehr als 2500 Euro brutto und nun Bauchschmerzen wegen verzehrter, eventuell mit Dioxin vergifteten Eiern hat, der tut mir nicht wirklich leid. Selbst die extremst teuren Eier am Tegernsee drüben in Gasse direkt vom Hof, wo man sich im Sommer auf der Wiese anschauen kann, welche Hühner die Eier legen, und vorsichtig fahren muss, weil die Viecher hier frei rumrennen, kosten nicht mehr als 25 oder 30 Cent. Wer im Monat 30 Eier verbraucht, zahlt fünf bis sechs Euro mehr, als für die schlimmsten Eier aus der widerlichsten Produktion in allerscheusslichsten Geschäften.

    … hole ich mal als Argument herüber, das ich mir auch immer wieder vornehmen sollte. Als Ottenser ist man ja nicht gerade abgeschnitten, was Bio-Versorgung angeht. Weiß das jemand, ob Bio-Eier auch belastet sind?

    Der Feind meines Feindes … Nein, auf keinen Fall!

    … sagt Mecklenburg, und wehrt sich nicht nur gegen Castoren, sondern auch gegen die Vereinnahme des Protestes durch “Nazis”:

    Die NPD versuche, die Stimmung gegen den Transport zu nutzen, und mobilisiere gegen Atomtransporte in die „nationale Heimat“. Man wehre sich gegen den Dreck, der im schönen Mecklenburg verbuddelt werden solle, wetterte Udo Pastörs, Fraktionsvorsitzende der NPD im Schweriner Landtag. „Die Kernenergie ist Teufelswerk“, die Atomtechnologie sei „Bestandteil des Teufelskreises der kapitalistischen Wachstumsideologie“, sagte der Politiker, der ansonsten zum Widerstand gegen „Völkermord am deutschen Volk“ aufruft.

    Die Anti-Castor-Aktivisten wehren sich gegen die Vereinnahmung. Bei der Auftaktkundgebung am Samstag wurde eine Gruppe Rechtsradikaler verscheucht. (FR)