Wenn das Hamburger Abendblatt (mal wieder) nicht kommt

In unserem Haushalt möchte eine Person unbedingt das Abendblatt am Samstag (ich vermute aus nostalgischen Gründen) – seit Monaten verschlechtert sich die Zustellung zusehends- mal kommt es zu spät, liegt draußen im Schneematsch oder kommt gar nicht, so wie heute.

Ich rufe also mal wieder die Hotline an, wo sich eine säxelnde Frau Schmitz meldet und mich fragt, ob der Ottenser Marktplatz in Hamburg liegt. Sie hätten technische Störungen (das sagen sie wirklich jedes Mal) und könnten eine Nachlieferung erst in einer Stunde veranlassen. Ich solle dann nochmal anrufen …*#% WTF?

Ich kann nicht anders, ich muss laut lachen 😂- Frau Schmitz atmet erkennbar verwirrt 🤷‍♀️- als ich wieder zu Atem komme, erkläre ich ihr freundlich, dass ich das für einen Witz halte: “Sie nehmen jetzt bitte einen Stift, notieren sich meinen Namen und geben in einer Stunde selbst den Nachlieferauftrag ins System ein. Oder noch besser, wenn ich jetzt auflege, rufen Sie ihren Vertrieb an und bitten ihn, sich aufs Fahrrad zu schwingen und nachzuliefern.

Frau Schmitz bedankt sich, und ich zweifle, ob sie sich in drei Minuten noch an das Telefonat erinnert. Ich werde es aber so schnell nicht vergessen ;)

ps ich habe mein Abo hilfsweise für den Fall der wiederholten Nichterfüllung gekündigt und widerrufe meinen Bankeinzug.

Replik auf Innensenator Michael Neumann: “Gewalt & Extremismus geht gar nicht” #Polizei #Hamburg

Polizeieinsatz Nazidemo Hamburg (Quelle Youtube)
Foto: Polizeieinsatz Nazidemo Hamburg (Quelle Youtube)

“Mich macht es wütend und traurig, dass Gewalt- und Straftäter unter Polizistinnen und Polizisten Bürger angreifen und verletzen, die sich für unsere Demokratie, unseren Rechtsstaat und unsere friedliche Gesellschaft einsetzen, uns schützen!”, Innensenator Michael Neumann in einem Blogpost zum Nazi-Demo-Debakel. Wobei ich das Zitat insofern verändert und ergänzt habe, dass es für einen Diskurs taugt (kursiv): Continue reading “Replik auf Innensenator Michael Neumann: “Gewalt & Extremismus geht gar nicht” #Polizei #Hamburg”

Beherrschen

Ich bin mir sicher, wenn ich nachschaue, dass es bei den Ausschreitungen, die zum Altonaer Blutsonntag führten, auch kommunistische Gewalttäter gab. Die meisten waren zwar wütend, aber friedlich, bevor sie von der Hamburger Polizei zusammengeschossen wurden.

Sieht man sich die Medienberichte und Reaktionen heute an, auf die Auseinandersetzungen der von Hamburgs Senat angeheuerten Polizei (aus Sachsen bspw., sic!) und ihre in sozialen Medien belegten Aktionen gegen friedliche Gegendemonstranten, dann ist von den verletzten, entwürdigten und vom eigenen Gewaltmonopol angegriffenen nicht die Rede. Über 30 Verletzte zählt das Hamburger Abendblatt – auf Seiten der Polizei. Die Opfer staatlicher Gewalt gehen im Kreis der Täter auf. So hat alles seine Ordnung.

Wenn nun diese Polizei Gummigeschosse fordert, für Beamte die in einer Vielzahl Täter, Partei und gewaltbereit sind, wie zuletzt der Untersuchungsbericht zum Schweinske Cup bestätigte, dann führt das zwangsläufig in eine Seitenstraße oder einen Platz, auf dem Uniformierte den Antifaschistischen Widerstand zusammenschießen.

“Das vornehmste an Deutschland ist der Antifaschistische Widerstand”, hat gestern eine der Rednerinnen einen Holocaustüberlebenden zitiert, und unser Senat bewegt sich gerade in die Richtung, wo wir einen Punkt erreichen, wo er zur Pflicht wird.

Und angefangen aus Opfern Täter zu machen, haben sie mt ihren zynischen Kommentaren …

Innensenator Michael Neumann zensiert Kommentare

Ich habe Michael Neumann, seit letzter Wahl zur Hamburger Bürgerschaft Hamburgs Innensenator (SPD), seinerzeit auf dem von Cem Basman organisierten Wordcamp kennengelernt. Er machte einen aufgeschlossenen Eindruck, man konnte den Eindruck bekommen, einen Politiker vor sich zu haben, der Bloggen ernst nimmt. Die Kommunikation mit jedem digital publizierendem sucht.

Michael Neumann war mir sympathisch. Seine Politik ist es nicht.
Und das wollte ich ihm in seinem Blog auch mitteilen, hinweisen auf eine Kritik zu seinem Blogpost über den FCSP. Das war gestern.

Michael Neumann hat im Januar versprochen Aufklärung zu lesten, nach den Übergriffen der Polizei im Schweinske Cup. Wir sollen ihn an seinen Taten messen: sieht man sich die Taten “seiner” Polizei an, und hat im Hinterkopf, dass die Freischaltung meines Kommentars seit 18 Stunden aussteht, dann ist für mich das Maß voll. Seine politische Tiefe ausgelotet. Michael Neumann scheint mir allzu seicht.

Beamtenpensionen in Hamburg – griechische Verhältnisse?

1.527 EURO beträgt die durchschnittliche Beamtenpension in Hamburg.

Diese Summe ergibt sich aus den 1,1 Milliarden Euro, die alleine Hamburg für rund 60.000 Empfänger aufzuwenden hatte. [Quelle: Holzmedium]

Kinder, wer sich ein solches antiquare Staatsversorgung leistet, dem kann die Rettung Griechenlands billig sein.

Die haben nämlich unter anderem so viele Probleme, weil sie sich das Beamtenwesen von uns abgeschaut haben.

Wie hoch ist eigentlich die Durchschnittsrente in HH?

(via HA, wegen #LSR ohne Zitat und Link)

Kapital die Krise

“Capitalism is the Cisis” – unter diesem einleuchtenden Motto findet am 31. März 2012 in Frankfurt, Kontinental-Europas Geld-Mekka, der European Day Of Action Against Capitalism – der Europäische Aktionstag Gegen den Kapitalismus – statt.

European Day of Action Against Capitalism - Frankfurt - 2012 - Flyer (St. Pauli, Hamburg - Foto: ring2.de)

Infos unter: march31.netw

rotten Bavaria

Zwangsheirat

Es ist eine betrübliche Nachricht, dass sich eine seit über 40 Jahren geförderte Gruppe in diesem Land partout nicht in die Grundrechte integrieren lassen will. Für aufgeklärte Norddeutsche ist es schwer zu verstehen, dass Vertreter dieser archaischen Stammesform, die lange Zeit überwiegend landwirtschaftlich geprägt war, immer wieder auffällig werden, und sich beharrlich gegen fundamentale Werte unserer Gesellschaft stellen. Continue reading “rotten Bavaria”

rotten racism

Lilian Thuram: Ich bin erst in den Augen der Anderen schwarz geworden, als ich in die Pariser Region zog. Ich stamme aus Guadeloupe. Und erst als ich mit neun Jahren hierherzog, habe ich angefangen über meine Hautfarbe nachzudenken und zwar als Problem.

… in einem lesenswerten Interview des dradio

Frühstück bei Wulffs

Der Westen Wind bringt wieder Regen und es soll kälter werden in Berlin. Gestern hatte es noch so ausgesehen, als könnte sich die Aufhellung noch ein wenig halten, aber der Zwischenhocheinfluss war zu kurz gewesen.

Es ist sieben Uhr fünfzig Minuten. Familie Wulff sitzt beim Frühstück im Schloss Bellevue. Die Kinder sind schon mit dem Fahrer weg, zur Schule.

“Betty, gibst Du mir bitte mal die Butter?”. Bettina Wulff schiebt die Porzellanschale mit der Butter ein wenig mit dem Zeigefinger in die Richtung ihres Mannes und sagt: “Gerne”.

Christian Wulff schaut auf den Nieselregen, der sich im Vorgarten an den immer noch grünen Grashalmen des englisch gestützten Rasens verfängt und tut das, was er schon seit dem Interview in der ARD tut, er starrt vor sich hin.

“Ich trete nicht zurück” beantwortet er ungefragt. “Weißt Du, Betty, wenn Atomkraftwerke Politiker wären, dann hätten sie keine Wahl gehabt, letztes Frühjahr. Sie hätten alle geschlossen zurücktreten müssen.” – Christian Wulff legt behutsam eine Scheibe Geflügel-Mortadella auf sein Brötchen. “Und heute spricht kein Mensch mehr vom Atomausstieg”.

“Stattdessen finden sich auf Hühnerfleisch Antibiotika-resistente Bakterien.” – Betty lacht.

Leichtmatrosen in der Muschel

Unten am Fluss, unten am Hafen

Symbole sind gut. Und Christian Wulff, mit FF, ist so eines. Mit geradezu erleichterter Vehemenz stürzen sich nun die Matrosen und Kapitäne der vierten Gewalt auf das machtlose Maskottchen, die graue Galionsfigur unserer Republik. Hurrah, wir sind wieder wer, zumindest wenn wir es schaffen das ungeschickte Staatsoberhaupt aus seinem Amt zu mobben.

Beinahe eine Ewigkeit schreiben sich FAZ, Sueddeutsche und Co. nun schon die Finger wund, und keiner mit Macht nimmt es ernst. Für die Regulierung der Finanzmärkte, für einen Diskurs über globale Liberalität. Alles verpufft kläglich an der Mauer der Ignoranz, die Bundes- und andere Politiker um sich herum bauen. Keine Diskurse, nur alternativloses Abnicken. Da fühlt man sich als vierte Gewalt schon ein wenig überflüssig. Und allein die Allianz, im gegenseitigen Schlawenzeln zu verbergen, wie machtlos alle Protagonisten tatsächlich geworden sind, ist auf die Dauer ja auch, hmm, unbefriedigend.

Da kommt der Wulff, mit FF, gerade recht. Doof stellt der sich an. Ein gefallener Provinzapostel. Grau und nett. Hannover halt. Nun können wir uns selbst demonstrieren, dass wir doch noch Macht besitzen. Merkel kriegen wir nicht mehr, nehmen wir als Symbol ihn. Christian Wulff zu bashen ist eigentlich zu einfach aber für uns zu verlockend. In einer Welt, in der jeder drittklassige Fußballpräsident uns Medien besser im Griff hat, als er, ist das zwar nur eine Ersatzbefriedigung, aber immerhin. Ausgerechnet unter der Flagge der BILD zu moralisieren ist natürlich billig, aber was tut man nicht alles für einen warmen Schauer.

… und der doofe Wullf wird mir dabei immer symathischer. #firstworldproblem

Günter Netzer for (Bundes-) President

Gestern fragte mich Herrmann Schmidt, Hofberichterstatter des FC St. Pauli, wen ich denn als neuen Bundespräsidenten mir wünschen würde. Nun, noch haben wir ja einen – und je mehr sich die vierte Gewalt ineinander schraubt, um sich ihre Macht zu demonstrieren, desto mehr hoffe ich, dass Wulff bleibt.

Aber nehmte ich dann doch an, ich könnte den Bundespräsidenten berufen, wäre also eine Art Ein-Mann-Bundesversammlung, dann käme für mich nur Günter Netzer in Frage. Geboren 1944 in Mönchengladbach ist er quasi ein Vorzeige-Trümmerjunge und hat die soziale Marktwirtschaft mit der Muttermilch aufgesogen. Mit ihm verbindet man keine Skandale, trotz schlimmer Fotos aus der Jugend ist er der einzige Mann, der ohne Hals sexy aussehen kann.

Wulff trägt ohnehin seine Frisur in der uninspirierten Hannover-Variante. Nun wählte ich das Original.

Der wichtigste Vorteil allerdings wäre, dass Günter Netzer bei seinen Ansprachen endlich einmal verstanden würde. Wir würden die großen politischen Zusammenhänge verstehen. Warum die Spanier die neuen Holländer sind zum Beispiel. Oder wieso die dänische Regierung ihren rassistischen Libero nicht aufgeben mag – und wie veraltet die politische Spielweise der Engländer sei – so wie die Portugiesen: ein Starensemble ohne Mannschaftsgeist.

Interviews gäbe es immer nur mit Gerhard Delling. Kai Dieckmann bliebe sicher von Anrufen eines Bundespräsidenten Günter Netzer verschont.

Je mehr ich darüber nachdenke …

Germanische Medizin und die Richtungslosigkeit der Piratenpartei #DanielaScherler

Die Germanische Neue Medizin steht im Gegensatz zum anerkannten medizinischen Wissensstand. Der Krebsinformationsdienst des deutschen Krebsforschungszentrums,[5] die deutsche Krebsgesellschaft,[1] die Schweizerische Studiengruppe für komplementäre und alternative Methoden bei Krebs,[2] die Bayerische Krebsgesellschaft,[6] weitere Wissenschaftler[7][8] sowie Ärztekammern und Verbraucherzentralen[9] widersprechen den Behauptungen Hamers. Auch von Seiten der „ganzheitlich orientierten Medizin“ wird Hamers Gedankengebäude als nicht substantiiert bezeichnet und ein Wirknachweis gefordert.[10] – wikipedia

Die größte Gefahr der Piraten ergibt sich imho ja aus ihrer unklaren politischen Verortung. Nur so können Menschen, wie Daniela Scherler, die Partei in Bredoullie bringen, weil sie vielleicht zu Netzthemen eine adäquate Haltung hat, zu anderen aber eine imho schlimm menschenfeindliche:

Marc Scheloske und Richard Joos haben sich Scherlers Werke mal genauer angesehen und sind dabei auf bedenkliche Äußerungen gestoßen. Frau Scherler ist Politikwissenschaftlerin und keine Ärztin. Trotzdem äußert sie sich in ihrem Buch zu Krankheiten. Sie hängt dabei der aus meiner Sicht extrem ekelhaften Weltsicht an, die Kranken selbst die Schuld an ihrer Krankheit gibt. Wer Krebs oder AIDS hat, war einfach geistig nicht gut genug drauf. – scienceblogs

Da hilft es auch nicht, wenn die Fraktion sich zurückzieht: “Daniela Scherler ist als FGF der Piratenfraktion angestellt und solange ihre persönlichen Ansichten ihre Arbeit für die Fraktion nicht behindern, spielen diese für uns auch keine Rolle.”

Ich bin ein Nerd, zugegeben. Und ein Freibeuter im Geiste. Ich kann die Piraten aber nicht wählen, wenn sich lauter Technokraten-Esoteriker und _innen da fröhlich positionieren können, ohne dass sich die Piraten eindeutig verorten. Nach links. Damit sie nicht, wie gerade in Berlin, rechts der CDU sitzen müssen.

“Meine Mama ist schwul”

“Aus Sicht der Expert(inn)en ergeben sich bei Fragen der Partnerschaft, des Zusammenlebens oder den Eltern-Kind-Beziehungen keine grundlegenden Unterschiede zwischen gleichgeschlechtlichen und heterosexuellen Familien, wohl aber in der erhöhten Bemühtheit und Fürsorglichkeit der gleichgeschlechtlichen Eltern, den Kindern Nachteile zu ersparen. Vorteile des Aufwachsens in Regenbogenfamilien sehen die Expert(inn)en in der größeren Bandbreite und Offenheit gegenüber anderen Lebens- und Familienformen, die den Kindern Toleranz vermittle”.

Aus: “Die Lebenssituation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften”, Bundesanzeiger Verlag

Das war ja, wenn ich das richtig mitbekommen habe, der Haupteinwand gegen die Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare, dass dadurch das “Kindeswohl gefährdet” sei. Und durch die Hintertür dann auch Argument dafür, gleichgeschlechtliche Partnerschaften und Hetero-Ehen nicht gleichzustellen. Höchste Zeit, diese bigotte Politik aufzubrechen!

“Die Öffnung der Ehe war und ist der einzige Weg, die Diskriminierung von homosexuellen Partnerschaften endgültig und vollständig zu beseitigen. Dass die SPD jetzt ebenfalls zu dieser Auffassung kommt, erhöht die Chancen, dass ab 2013 mit einer neuen Regierung dieses langersehnte Ziel endlich verwirklicht wird.” – Volker Beck

Warum sind in der Piratenpartei eigentlich so wenig Frauen?

“Jeder fragt mich das”, schreibt Marina Weisband in ihrem Blog. Und ihre Antwort ist eine Ohrfeige für alle Journalist_innen und Leser sowie Parteien:

“Jeder fragt mich das. In jedem Interview. Nur mich, nicht meine männlichen Kollegen.
Warum in der Piratenpartei so wenige Frauen sind? Weil in der Politik so wenige Frauen sind! Und noch weniger in Ämtern. Warum? Weil die Zeitungen über sie nur berichten, was sie an haben, oder Heldenstories mit ihnen machen, wie sie sich als Frau durchschlagen. Weil sie erst auf politischer Linie total versagen müssen, ehe man anfängt, über das Inhaltliche zu sprechen. Weil sie unweiblich sein müssen, weil man sonst über ihre Frisuren spricht. Deshalb!
Ich bin in der Piratenpartei nie Sexismus begegnet. Ich habe nicht an Sexismus geglaubt. Aber das hier ist er.”

Rassismus trägt nicht immer Springerstiefel … @olafscholz

… sondern oft genug auch Uniform – das ist die erschreckende Botschaft dieser Video-Aktion auf Youtube: “Kampagne Institutioneller Rassismus – I Love Black People”

Menschen afrikanischer Herkunft sind öfter Opfer tödlicher Polizei-Gewalt als andere, verglichen zu ihrem Anteil an der Bevölkerung. Allein, ihre Lobby ist klein.
Love Newkirk, liebe Kollegin aus alten “VH-1”-Zeiten, rüttelt auf – und ihr solltet euch alle schütteln. Insbesondere Du, Olaf Scholz!

+1 #Nazidebatte

»Mir ist völlig egal, ob es sich bei den Morden um Terrorismus oder anderen Wahnsinn handelt, denn egal, wie man es nennt, es bleiben Morde, die nach aktuellem Kenntnisstand politisch motiviert waren. Mir ist aber nicht egal, dass in Deutschland andauernd Kinder- und Jugendeinrichtungen sowie Jugendliche, die „links“ aussehen, von Rechten überfallen werden, dass Informationen über die Vernetzung der rechten Szene ebenso wie ihre Gewaltbereitschaft bekannt sind und dass man dennoch immer noch dafür belächelt wird, wenn man auf diese Gefahren hinweist.«

+1 von mir an die Spree

Von Waschweibern, Schlauchbootlippen, Taka Tuka Land und was Helge Schneider damit zu tun hat

Mitte der 90er Jahre saß ich gerne abends mit ein paar Freunden herum. Wir quatschten lange, spielten Spiele oder hörten uns Platten an. Eines Abends kam ich eine halbe Stunde später, meine Kumpels hatten gerade die erste Hörspiel-Platte von Helge Schneider aufgelegt und lagen alle schon kringelnd auf dem Boden als ich mich dazusetzte. Wie sie es in ihrem Zustand geschafft hatten, mir die Tür zu öffnen, war mir ein Rätsel. Wie albern die waren, sich totlachten über so banales, wie einen Mann auf dem Nachhauseweg eine Rose kauft (Gleich kommt mein Mann, mein Mann kommt gleich), konnte ich nicht verstehen. Eine Viertelstunde später erging es mir nicht anders, und bis heute fange ich an zu lachen, wenn jemand “Capuccella” sagt. “Irgendetwas in Deiner Biochemie im Gehirn ändert sich irreversibel, wenn Du Helge Schneider eine Weile zuhörst”, hatte Matze das zusammengefasst.

Inzwischen sind über zehn Jahre vergangen, Helge Schneider macht jetzt nur noch Jazz, und die Gelegenheiten, abends Unsinn zu ratschen oder zu hören der Spaß macht, sind auch rarer geworden. Am Wochenende musste ich allerdings wieder an den Satz denken, den Matze damals so vor sich hingesagt hat. Denn wieder hat sich in meinem Bewußtsein etwas verändert, das nicht mehr zurückzudrehen ist. Noch im Nachhall der “#Weldinggate”Debatte um Rassismus, Sexismus und die Wahrnehmung von dominanter Sprache, lese ich plötzlich anders. Da frage ich mich nach der Lektüre meines Lieblings-Anwaltsbloggers, wieso ein Artikel über die Denunziationsphantasien eines Politikers mit “Waschweib” überschrieben werden muss. Am Wochenende, in Vorbereitung zum Spitzenspiel des FCSP gegen Fürth am Millerntor schaue ich im Hamburger Abendblatt auf ein Comic des im St. Pauli Umfeld bekannt gewordenen Guido Schröter und frage mich, wieso er schwarze Spieler mit Schlauchlippen zeichnet, weiße aber nicht?

Ist ihm das egal bewusst, dass er rassistische Stereotypen reproduziert? Merkt das da beim Abendblatt einer? Ist das etwas besonderes, wenn ich das als Haus-und-Hof-Comiczeichner des FC St. Pauli so mache? – alles rhetorische Fragen, sorry. Dann geht es aber erst richtig los. Die Wahrnehmung läuft Amok, genauso, wie die Aufreger aus den Kreisen der Dominanten, die sich langsam aber sicher genervt fühlen vom andauernden Hinzeigen:

– Antisemiten beim RBB (ein schwer einzuschätzender Vorgang, bei dem es den Anschein hat, dass man Broder, wenn auch latent widerwillig, Recht geben muss, auch seine Wahl der Mittel)
– Rassismus in Taka Tuka Land – BILD.de empört sich über die Empörer “Sie hat Generationen geprägt: Die starke, tapfere Pippi Langstrumpf. Was für Millionen Deutsche eine wunderbare Kindheitserinnerung ist, nennt Dr. Eske Wollrad (49) „rassistisch“…”

Überall Widerstand (auf bild.de verlinke ich nicht), im besten Falle Polemik. Warum nur, kann man Astrid Lindgren nicht lieben und verehren und doch ihre Texte in einem richtigen, wichtigen historischen Kontext als streckenweise rassistisch bezeichnen und diskutieren? Das geht doch in Belgien auch. Kann Guido Schröter das nicht sein lassen, schwarze Fußballer wie den schwarzen Piraten bei Asterix und Obelix zu zeichnen? , wenn er weiß, dass das schwarze St. Pauliner_innen verletzt. Das will mir nicht in den Kopf.

Ich bin in fast allen meinen Lebensumständen Angehöriger der dominanten Gesellschaftsgruppe und bestimmt reproduziere ich alle naselang dominante Strukturen. Auch bin ich deswegen in der kommoden Lage mich zurückzuziehen unter die wohlige Decke der Ignoranz. Ich kann die Platte wieder in den Schrank stellen. Viele meiner Freunde können das nicht, und so langsam beginne ich zu verstehen, wie zermürbend das ist, sich zu wehren. Und ich bewundere das immer mehr.

(Hinweis: in diesem Blog dulde ich keine unwidersprochene Reproduktion von Rassismen oder anderen dominanten Ismen oder Lächerlichmachung von Kritiker_innen. Wenn ihr pöbeln wollt, dann bitte bei euch zuhause, dann auch gerne mit Trackback)

Supptext

Zu unserer Diskussion vom Wochenende über Strukturellen Rassismus, verlinke ich als Nachlese zu einem Blogpost von Somlu, die den folgenden Blog-Kommentatoren-Flatus ähnlich empfindet, wie ich das tue:

“Mein Schluss ist, Malte Welding und einige seiner Entourage, als auch Don Alphonso haben da irgend ein persönliches Süppchen mit Lantzschi auf dem Herd stehen haben. Was immer da abgeht, erschließt sich mir auch nicht im Detail. Was mich richtig aufregt, ist, dass Malte Welding und Don Alphonos u.a. mit diesem Verhalten die Gefühle einer anderen Frau mit Füßen treten und die wichtige Diskussion über Alltagsrassismus af die Ebene ihrer persönlichen Befindlichkeit gezerrt haben, dass das Wort Fremdschämen ganz neue Dimensionen erreicht.”

Ich habe, anders als andere, lange gedacht, dass Rainer M. tatsächlich einmal austesten wollte, wieviele Rassisten und Sexisten sich unter seinen Lesern und Kommentatoren finden. … Da scheine ich mich geirrt zu haben. Nun gehört er wohl selbstverliebt-verschuldet – für mich überraschend – zur Liga der Unverlinkbaren. So schnell geht das.

Happy Halloween – and what is not OK #Rassismus

S*T*A*R*S ist eine seit 1988 bestehende Studenteninitiative, die sich aus einem Unikurs entwickelt hat, wenn ich das richtig verstehe. Passend zu unserer Diskussion vom Wochenende macht diese Organisation vor Halloween darauf aufmerksam, welche versteckten “Ismen” sich in fröhlichen Verkleidungen finden, und formulieren, was sie nicht OK finden:

Ohio University’s Students Teaching About Racism in Society

In Deutschland ist Halloween vor allem bei der Generation meiner Kindern nicht mehr wegzudenken, hat so etwas wie Rummeln zu Silvester gänzlich abgelöst. Eine gute Gelegenheit, mit seinen Kindern einmal über das Tradieren von Rassismen zu sprechen – oder einfach, was OK ist und was nicht.

-via

Leerverkäufe verbieten, 3 Strikes and you’re Out Mister Ackermann

Es ist ein seltenes Glück, dass wir nicht von ZEIT-Autoren regiert werden. Die haben nämlich in ihrer jüngsten Einschätzung zur Euro-Schuldenkrise nichts besseres anzubieten, als einen totalen Bail-out.

Hosen runter, Beine breit. Kein Wort, keine Zeile zu dem Problem, dass eine Verschuldung erst fiebrig und lebensgefährlich macht: das Wetten darauf, dass Staaten Pleite gehen und mit ihnen Deutschland und die EU.

Wenn ich das richtig verstehe (und das Wort verstehen ist ja schon zu hochgestochen für ein vages Annehmen), dann bezieht die aktuelle Situation ihre Brisanz daraus, dass alle Staaten einer vernetzten Welt mehr oder weniger gleichzeitig Schuldner und Gläubiger sind. Zuletzt noch stärker dadurch, dass sie Banken schimmelnde Staats- und andere Anleihen abgenommen haben. Nun bedeutete eine Staatspleite Griechenlands nicht nur, dass bspw. Deutschland weiterhin Schulden hätte, und ihnen die Forderungen wegbrächen, es haftete auch noch für die eigenen Forderungen. Statthaltend für Griechenland, zumindest indirekt über den Euro-Rettungsfond, die EZB und ihre Anteile an Bad Banks.

Soweit so schlimm.

Katastrophal wird diese Situation nur, wenn diese Schulden quasi durch Vertrauensverlust sofort fällig würden. Und da kommen die Banken und Investoren ins Spiel, denen die Bürger der EU eben noch ihre Staatsanleihen abgekauft haben. Sie wetten nun auf das Zugrundegehen von Gemeinwesen, wie Deutschland und Frankreich, über Instrumente wie Leerverkäufe. Das ist ungefähr so, als hätten die Bedürftigen, denen der Heilige Nikolaus seinen Mantel gab, ihn ganz seiner Kleidung entledigt, mit Schnee überhäuft und zugesehen, wie er erfriert. Dabei hätten sie ihn noch als nackt verhöhnt.

Sehr ich das richtig, dass das Wetten auf die Pleite immer weiter geht, solange wir noch etwas anhaben? Dann muss man das Wetten verbieten! Und das wird immer schwerer, je kälter einem wird. Längst freuen sich bspw. die Politiker in den USA, dass Saurons Blick sich an Europa und dem Euro festgesogen hat, eine trügerische Freude, wenn man selbst bis zum Hals im Modder steckt, aber man friert nicht so doll, wenn das Zähneklappern der anderen das eigene übertönt. Auf die USA und Großbritannien können wir nicht mehr hoffen, zu hörig sind sie den Finanzakteuren schon zu lange.

Verbietet man also Leerverkäufe muss das kontinentaleuropäisch Konsequenzen haben, und weltweit gelten. Ich stelle mir vor, dass Merkel und Sarkozy am Sonntag ein Verbot von Leerverkäufen europäischer Staatsanleihen beschließen. Jede Bank, Versicherung oder jeder Investor, der dabei erwischt wird, dass er oder eine seiner Tochter- und Schwiegerfirmen irgendwo auf der Welt auf die Pleite von EU-Staaten wettet, wird die Banklizenz entzogen und verboten jemals wieder in Europa Geschäfte zu machen.

Ich sehe schon das Verplomben der Filialen der Deutschen Bank vor mir. Three Strikes, You are out. Ich wette das wirkt. Wieso die Redakteure der ZEIT sowas nicht diskutieren ist mir ein Rätsel.

@Nico macht sich Sorgen um Deutschlands Ruf in Facebook und der Welt

Nico Lumma kommentiert die Meldung des Schleswig Holsteinischen Datenschutzumsetzers des ULD, dass Facebook erwaägen soll, Daten, die via IP-Adressen aus diesem Bundsland erhoben werden, nicht in die USA zum Speichern zu schicken, und macht sich Sorgen, dass Deutschland als “das Land der seltsamen Querköpfe angesehen werden (könnte), die irgendwie darauf pochen, daß das Internet anders zu funktionieren hat als es gängige Praxis ist.”

Ich fände diesen Ruf ja ganz famos. Habe ich mir doch schon früher schon gewünscht, dass “Informationelle Selbstbestimmung”, ja Selbstbestimmung im Allgemeinen ein Exportschlager des Deutschen würde, wie Weltschmerz und Kindergarten.

Ich würde sogar noch weitergehen, und mir wünschen, dass wir Deutschen als diejenigen Querköpfe bekannt werden,

“die irgendwie darauf pochen, daß das Liebe und Leidenschaft anders zu funktionieren hat als es gängige Praxis ist.”

“die irgendwie darauf pochen, daß das Solidarität, bspw. mit Griechenland, anders zu funktionieren hat als es gängige Praxis ist.”

“die irgendwie darauf pochen, daß das Finanzwirtschaft und materielle Teilhabe anders zu funktionieren hat als es gängige Praxis ist.”

Ja, das wünsche ich mir, als Sozialromantiker. Und dass der hsv absteigt, aber das ist eine andere Dimension des gleichen Defektes.

#OccupyFacebook

Foto Teddy

Schwertun #Occupy

Foto Teddy
Foto Teddy

“Ich tue mich insgesamt schon schwer damit zu sagen, was die Occupy-Bewegung Deutschlands denn nun sein soll oder noch werden kann. Weder möchte ich ins reaktionäre oder kulturpessimistische Denken abdriften noch den Sachverhalt verkennen, dass Menschen aktuell gerade wirklich ihre Ärsche auf die Straße schwingen.” (1)

Ich auch!

“Wäre es nicht mal wieder an der Zeit für Positivbilder, solche der Fülle, nicht der Verwaltung des Mangels? Keine naiven Bilder ewigen Friedens, sondern Visionen voller Leidenschaft, Eros, ja, Marcuse halt, Kreativität – und das nicht nur bezogen auf die Protestformen? Voller Faulheit und Muße?” (2)

Ja, Ich auch!

Wat dem Eenen sin Uhl, is dem Annern sin Nachtigall

Nachtigall Ick hör Dir trapsen, hätte mein Berliner Busfahrer wohl gesagt, dem ich solange die Regeln der BahnCard City Option erklärte, freilich nicht ohne ausschweifend über Tages- und Rückfahrregelungen zu schwadronieren, bis er dann entnervt mich durchwinkte.

Also das hätte er wohl gesagt, wenn er den Uhl da vor dem Bundestrojanertag hätte reden hören. Und er hätte den Uhl schnell durchschaut, nicht gleich, aber irgendwann. Denn Blender verraten sich nie im ob, sondern immer im wann. Manche, die guten auch im wie oft.

Wie Joschka Fischer, die Nachteule der Grünen. Der hätte seine Redezeit überschritten und den Piraten vorgeworfen , die Sin Fein des CCC zu sein. Elegisch über 30 Minuten hergeleitet. Schließlich steht ja Chaos schon in ihrem Namen.

Wäre der Uhl nicht bloß eine blöde Eule, sondern ein gescheiter bayrischer rechter Haken, er hätte die Piraten zur Chaos Armee Fraktion hochstereoisiert. Wumms, dann hätte sich der BILD Chef vom Fierst aber die Augen gerieben. Frische Headlines vom politischen Freund. Gegeelte und gegerbte Wahrheiten, die unser Land braucht. “Uhl fordert Bundespolizei gegen Chaos-Terroristen” ließe sich leicht ableiten, aus seinem Statement, dass “Deutschland glücklicherweise von Sicherheitsbeamten regiert” würde.

Freilich, die Eule, die auch nachts auf meine Festplatte sieht, wäre nun eine Nachtigall, aber immerhin wären wir gut unterhalten worden.

Occupy Wallstreet – wenn soziale Netzwerke sich metropol manifestieren

Bloomberg, Besitzer des Geländes, auf dem seit Wochen New Yorker und andere Amerikaner sich zusammenfinden, um ihren Protest an der Politik und am Finanzsystem zu artikulieren, hat seinen Antrag Räumungsverfügung zurückgezogen, auch angesichts der Manifestation von Bürgern auf dem Areal nahe Wall Street. Continue reading “Occupy Wallstreet – wenn soziale Netzwerke sich metropol manifestieren”

Die Piraten und ihr Leck an Steuerbord #Rechts

Die taz diskutiert die Piraten unter dem Stichwort “Feminismus” – und man sollte das lesen, wenn man sich mit den Piraten in Berlin mitgefreut hat. Denn das Ignorieren von Diskriminierungen führt zu gefährlicher Schlagseite nach rechts:

Stattdessen arbeitet die AG Männer mit den Männerrechtlern von Agens und Manndat zusammen, die Männer vor allem als Opfer von Frauenpolitik thematisieren.
Ja, das ist ein großes Problem für die Partei. Diese AG widerspricht komplett dem postmodernen Ansatz des Programms. Die Partei macht sich mit dieser AG für die rechte Szene anschlussfähig. Man kann mit einem Klick von der Seite der AG Männer zu “eigentümlich frei” gelangen. Das ist ein ultrarechtes Organ. Ich lese Ihnen das “Zitat des Tages” von dieser Seite vor: “Die muslimische Invasion Europas brächte nicht nur Nachteile: Feminismus, Gender Studies und Regietheater würden immerhin verschwinden.”

via taz

Unversœhnlich 9/11

Es ist das, was ich George Bush Jun. und seinen politischen Helfershelfern nicht verzeihen kann, dass sie meine Wut, meine Anteilnahme und Solidarität so sehr pervertiert und missbraucht haben. “Mission Accomplished” bedeutet heute, dass Machtinteressen und Terroristen eine permanente, unheilige Allianz eingehen – zulasten einer universellen Versöhnung, die eigentlich am Ende von 10 Jahren Trauerarbeit stehen sollte!

Wie ich sie verachte deswegen, mag ich kaum beschreiben.

Pro Westerwelle

Ich entdecke an mir eine merkwürdige Eigenschaft. Immer wieder: je stärker die Mehrheit sich meiner Meinung oder Ansicht anzuschliessen scheint, desto stärker wird der Drang von ihr abzurücken.

Was man durchaus mit einem latenten Beschützerinstinkt, als auch mit einem übersteigerten Hang zum Avantgardismus erklären kann. Wollte ich gemein sein gegenüber mir selbst, würde ich das als eigensinnige Labilität auslegen, das immer zur kritischen Minderheit Gehören-wollen.

Heute hat ausgerechnet ein Text in der Mopo diesen Effekt ausgelöst. Jürgen Todenhofer schreibt dort über seine Eindrùcke aus Libyen und über Guido Westerwelle:

“Man muss keine Bomben werfen, um Fruende zu haben. Der Kurzbesuch Westerwelles hat hier viel bewirkt. Ich sage dies als ausgewiesener Kritikwr des Außenministers. … Westerwelle war im richtigen Augenblick in Libyen, hat die richtigen Worte gefunden.”

Der Text hat mich weniger erstaunt, als meine emotionale Reaktion darauf. Ich hatte die Demontage Westerwelles zuerst mit einiger Genugtuung verfolgt, schien er sie ja selbst zu zelebrieren. Immer mehr aber, als unterstützende Stimmen ausblieben (Brüderle zähle ich mal nicht hinzu), erhob sich dieser oben beschriebene Reflex. Ich halte allzu grosse Einhelligkeit für ein Alarmsignal.

Im Falle Westerwelles erspüre ich eine gefãhrliche Mischung aus politischer Taktiererei, aggressiver weil zum eigenen Arschretten praktiziert, und einem kollektiven, vielleicht unterbewussten Aufatmen, dass dieser klemmige und technokratische Westerwelle die Bühne verlässt.

Ich mag den Politiker Westerwelle immer noch nicht, aber er ist vom Establishment zum Aussenseiter gebrandmarkt. Und solche mag ich grundsätzlich. Geht mir bei Michael Oenning auch so ;)

London riots …

Der Aufstand der Ungebrauchten.

Genau das haben wir auf der #mlove11 diskutiert, der Kapitalist Butcher und ich.

“There will be a price on my head”, sagte Mike Butcher nach einer unserer Sessions auf der #mlove11 und meinte damit, dass die Personalisierung in der digitalen Welt sich dahin weiterentwickelt, dass unsere Kaufentscheidungen und persönlichen Vorlieben nicht nur Ziel von Werbung sind, sondern unsere Persönlichkeit selbst einer Aktie ähnlich mit einem Preis versehen werden kann. Eine Entwicklung, die ich auch befüchte und bei der viele von uns sich wundern werden, was für einen Ramsch ihr Leben darstellt, monetär gesehen.

Und was war das i8m Kern in London? Der Aufstand der Ungebrauchten, der menschlichen Penny-Stocks, der abgeschriebene Ich-AGs, für die jeder Montag ein schwarzer ist.

ZEIT ONLINE: Sind die Unruhen in London ein Teil der Suche nach neuen Modellen jenseits des Kapitalismus?

Žižek: Nein, ganz bestimmt nicht. Ich teile da auch nicht die Bigotterie vieler Linker, die im selben Atemzug die Gewalt verdammen, in dem sie für Verständnis für diese Leute werben – etwa was soziale Ursachen anbelangt. Nein. Was man hier sieht, ist genau die post-ideologische Gesellschaft, wie die Neoliberalen sie so gerne wollten. Zygmunt Bauman war auf dem richtigen Weg, als er von der Randale unbrauchbarer Konsumenten sprach. Es handelt sich um enttäuschte Konsumenten, die einer perversen Form des Konsums, einem Karneval der Zerstörung, nachgehen. In viel schlechteren Situationen haben es Menschen geschafft, sich politisch zu organisieren, was hier vollkommen misslang.

Ich verstehe von Politik ja nicht viel, aber das klingt in meinen Ohren plausibel. Der Unterschied zwischen neo-konservativen und linken Positionen wären dann die Konsequenzen, die wir aus dieser Erkenntnis ziehen?