Google ist in den USA letztes Jahr unter die Produzenten gegangen, genauer unter die Sender-Betreiber auf der eigenen Plattform Youtube. 100 Millionen USD hat sich Google dieses Experiment, nicht mehr nur Plattformanbieter sondern Programmmacher zu sein, kosten lassen. In Deutschland ging es Ende diesen Jahres los. Ende Oktober kündigte Google an, dass auch deutsche WebTV-Formate in Original Channels vorfinanziert würden.
Die Macher und Betreiber der Kanäle sind etablierte Produzenten, prominente Persönlichkeiten sowie innovative Medienunternehmen und Pioniere der Webvideo-Welt. Die Themen der Channels sind breit gestreut und vielfältig: Es reicht von Ernährung, Gesundheit, Wellness und Kindererziehung über Sport, Musik, Comedy und Animation bis hin zu Nachrichten.
Von der Plattform zum Programm
Einige Kanäle, wie das Programm der Motorvision oder das Koch- und Lifestylemagazin “what’s for beats” mit Sternekoch und Hamburg-Promi-Wirt Stefan Henssler sind schon gestartet – und verzeichnen erstaunlich wenig Zuspruch. Betrachtet man jeweils die letzten vier Wochen, so ergeben sich für ein Programm, das mit soviel Erwartung aufgeladen und groß angekündigt wurde erschreckend wenig Reichweite.
- Motorvision, ein Motorsport-Programm und eigentlich hochaffin zur Youtube Zielgruppe, verzeichnet auf seiner Video-Übersichtsseite zwischen 130 (!) Video Views für seine aktuelle Folge und 4.500 VV für seine erfolgreichste.
- What’s for beats sieht noch schlimmer aus. Trotz Promi-Unterstützung von Stars wie Smudo von den Fanta4, erreicht das populärste Video nur 1.800 Views. Immerhin ist das Format von Endemol, einem der größten TV-Produzenten Europas zusammen mit Sony Music entwickelt. Da sollte doch mehr Wumms hinter stecken, oder?
- Einzig Ponk, ein Format aus der “Youtube-Stars-Genossenschaft” Mediakraft aus Köln, erreicht ordentliche Werte, zwischen 80. und 800.tausend Video Views
Warum ist das so?
Kann oder will Google diese Kanäle nicht promoten? Können die Partner das nicht? Immerhin verfügt man bei Sony Music zumindest theoretisch über einen großen Marketingmuskel? Oder nehmen am Ende alle Beteiligten, ausser Ponk das Experiment nicht ganz so ernst?
Was soll denn da verdient werden?
Für den großen TV-Killer sind die ersten Zuckungen aber noch arg bescheiden. Was stellen sich denn Endemol und Konsorten vor, was man dort verdienen kann? Oder sind die Projekte tatsächlich so gut ausgestattet, monetär und mit Management Attention, dass man sich eine Entwicklungszeit von mehreren Monaten leisten will?
Lege ich einen durchschnittlichen eTKP von 2,50 netto Publisher-Share zugrunde, dann “verdient” Endemol mit seiner “erfolgreichsten” Folge 4,50 Euro! Auch Ponk wird nicht reich damit: wenn man 250’000 VV als Durchschnitt nimmt, dann erlöst bei guter Auslastung ein Video 625 Euro.
Long Tail und langer Atem
Für mich ist es kein Wunder, dass die etablierten Produzenten hier schlecht aussehen. Produzieren sie doch zum Ersten zu teuer für die bescheidenen Erlöse (es sei denn Google hat hier wesentlich bessere Konditionen angeboten, als ich annehme ;) – und übersehen zum Zweiten, dass das Geheimnis des Erfolges bei YT in einer stabilen Community liegt. Und die braucht Zeit, um sie aufzubauen. Solange Produzenten aber auch hier kurzfristig Formate ausprobieren, auf den schnellen Erfolg getrimmt, werden es Produzenten wie Christoph leicht haben. Eigentlich schade, denn Konkurrenz belebt das Geschäft, und dass Endemol tolles Fernsehen kann, hat man imho mit “The Voice of Germany” gesehen.
Offenlegung: Der Autor ist Angestellter bei wer-weiss-was, einer Tochter der P7S1 Media AG, bloggt hier privat und beschäftigt sich seit nun 15 Jahren mit Bewegtbild im Internet.










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