Berlin im Spätsommer: Sehnsucht nach der gelben Gefahr

Wespen gehören zum Berliner Herbst: eine Liebeserklärung wider Willen …

Ich werde sie vermissen, da bin ich mir ganz sicher. Wenn ich diese Tage durch Berlin laufe und die Kastanien bereits in matschigem Braun erscheinen, dann weiß ich, ich werde sie vermissen, die Wespen dieses Sommers.

Es ist noch keine 10 Tage her, da saß ich in meinem Lieblingsfrühstückslokal. An jenem Morgen hatte ich mir eine exquisite und seltene Hochlandkaffeesorte ausgesucht und freute mich auf mein allmorgendliches Rührei. Als mein herrlich dampfender Milchkaffee vor mir stand, wollte ich ihn mit Zucker verfeinern (ein weiser Italiener erzählte mir einmal, dass 1/3 der Tasse mit Zucker aufgefüllt werden muss – das traue ich mich aber nicht). Auf einmal fielen acht Wespen aus dem Zuckerstreuer, direkt in meinen Kaffee. Nicht, dass es mir etwas ausmachte, es wunderte mich nur.

Nächsten Morgen sah ich, dass das Kaffeehauspersonal im süßesten Kampf dieses Sommers aufgerüstet hatte. Kurzerhand hatte man den Zugang zum “Gelben Leckerland” mit Servietten-Propfen versperrt. Am nächsten Morgen dann waren die Zuckerstreuer kurzerhand gegen Dosierpackungen aus Papier ausgetauscht. Respekt für diesen kleinen Sieg.

Heute, zwei Wochen später sehne ich mich bereits nach dieser Plage zurück. Der kleine Winter ist da, das Auskühlen des Sommers in den Früh-Herbst. Das Hoffen auf einen schönen Spätsommer hat begonnen. Die Farbe dieser Hoffnung ist Gelb (mit schwarzen Streifen).