Mark Evil

Es geht eine merkwürdige Erleichterung durch meinen digitalen Bekanntenkreis. Google Plus ist da und plötzlich ist da sowas wie Aufbruchstimmung. Endlich, Google hat es geschafft, hört und liest man aus den begeisterten Blogposts und Twitter-Meldungen unweigerlich heraus. Dabei ist die Freude über die gelungene Inweltsetzung einer ernst zu nehmenden Konkurrenz keine Liebeserklärung an Google, sondern vielmehr Ausdruck eines tiefen Misstrauens gegen Facebook und seinen Übergründer Mark Zuckerberg. Dieser hatte das Ende der Privatheit ausgerufen und sein social network hatte sich in der Hybris des exponentiellen Erfolges auch so benommen, als gehörten die Nutzer und ihre Daten, ihre Bewegungen und ihr digitales Leben ihm.

Das haben immer mehr von uns nur widerstrebend mitgemacht. Vielleicht sogar nur als diffuse, in Amerika “German” genannte, Angst. Verborgen hinter den fröhlichen Statusmeldungen, weil die sozialen Kosten eines “Nicht-mitmachens” immer größer werden, je mehr und je länger wir den blauen Riesen (und damit ist schon lange nicht mehr IBM gemeint) benutzen.

Google+

Google ist nicht besser, hat keine endgültigen und befriedigenden Antworten auf das Thema “Privacy”, auch bin ich noch nicht abschliessend überzeugt, weswegen unser soziales Leben unter den Regeln privater amerikanischer Unternehmen organisiert werden muss. Aber Google hat eine entscheidende Lektion gelernt, sie schon lange in der DNA ihrer Unternehmenskultur verankert: Offenheit und Nutzerzentrierung. Offene Standards machen Google für Facebook-geplagte so interessant. Google hält sich permanent selbst in einer prekären Situation. Wenn morgen eine Suchmaschine entwickelt wird, die besser ist, dann ist Google weg vom Fenster. Diese triviale Erkenntnis von Marktmechanismen ist nicht neu, wird aber in vielen anderen Branchen, auch meiner eigenen, oft lange ignoriert. Googles Algorithmus adaptiert, so gut er kann. “When i lose its like winning”, hat Rapper Chamillionaire auf der mlove 11 in der hallensischen Provinz gesagt, und benimmt sich so, als meine er das auch. Für Google gilt dasselbe.

Was einem alten Trekkie die Angst in die Füße boxen kann, Stichwort “we will adapt” und “resistence is futile”. Anders als die Borg hört Google aber auf zu existieren, wenn wir es ignorieren. Obwohl, dieses Schicksal hat die Borg ja auch ereilt. ;)

Weiteres:

I am a Nerd too ;)
TNW about the acceptance of Google+
Google+ vs. Facebook

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *