Die Privilegierten spotten zurück

Ich kenne Malte Welding vom Lesen und ich bin mir sehr sicher, dass er sich nicht für einen Rassisten hält. Ich habe den Eindruck, dass er seine kleine Replik auf die Empörung von zwei Frauen, die eine Feministin, die andere schwarze Aktivistin, für Satire hält – und die darf ja bekanntlich alles. Dass er mit seinem Text dominante Strukturen, in denen weisse Männer definieren, wie man sich worüber gefälligst aufzuregen hat, wiederholt, ist ihm im besten Fall nicht klar gewesen. Es ist deshalb so schäbig sich über die Empörung zweier Frauen zu erheben, ihnen das Recht darauf durch Verspottung abzusprechen, anstatt sie erstmal als Verletzung zu akzeptieren, (vom Stil mal ganz zu schweigen) weil er in dem Moment, indem er so etwas schreibt:

“Das schlägt der Fäss_in doch die Böd_in aus! Die Reaktion der jungen Grünen war ein gewaltvoller Übergriff, nein Entschuldigung: eine Übergriff_in!

Wer ist der bessere Mensch in diesem titanischen Kampf der politisch korrekten Geisteselite: Antifa-Frau oder PoC-Schriftstellerin, linker ASTA oder die Feministin?”

… dies als weißer Mann tut. Da kommt Malte nicht raus. Und anstatt sich seiner Zugehörigkeit zur Dominanten unserer Gesellschaft gewahr zu werden, hinzuhören und die Verletzung zumindest zur Kenntnis zu nehmen, definiert er, weshalb das garnicht aufregenswert sei.

“Da lädt jemand eine Autorin ein, hat das Café, in dem gelesen wird, vorher nicht untersucht, und kennt die Abkürzung des in Deutschland nicht besonders üblichen Begriffs People of Color nicht: und wird dafür hingestellt, als hätte sie das Dritte Reich mit Gaskammern beliefert.
Das ist ein Ichbinbesseralsdu-Wettbewerb, bei dem ich kotzen muss.”

Und dieses Statement, lieber Malte, ist Rassismus Dominanz-Gebaren in Reinform.

Für seine Kommentatoren ist man nicht verantwortlich, aber das, was sich bei Malte dann in der Kommentarsektion tummelt, ist in seiner Geisteshaltung gut bei Hansa Rstock aufgehoben und provoziert meinen Widerspruch.

Das ist inzwischen so ekelig Männerbündisch, dass ich mich da nicht mehr hinbewegen möchte. Malte würde ich empfehlen, wenn er sich ein wenig erholt hat, von der narzisstischen Kränkung, die man als Bewerteter empfindet, sich Noahs Buch reinzuziehen oder sich wohlig zurückzuziehen in seinen Dominanzkokon, dann aber Frauen, wie Lantzschi und Noah wenigstens das Recht auf Artikulation nicht zu verwehren.

Lektüre:

Noah Sow
Lantzschi
Hatr Comments auf Noahs Artikel
Mädchenmannschaft
Metalust

17 Replies

  • Ah, ok, da steht es ja: “Ring2.de ist ein Satiremagazin”

    Sonst hätte ich dich jetzt gefragt, was mir ein weißer Systementwickler eigentlich zu einem Thema wie diesem zu sagen hat.
    Das rechtfertigt dann also auch deine öffentlich vorgetragenen Vergewaltigungsfantasien?

    • Das hat mit Deiner Person nichts zu tun, schnall es doch endlich. So ein Text wäre auch von mir strukturell rassistisch gewesen, und ist bestimmt schon vorgekommen, dass ich das war oder noch sein werde, darum geht es doch gerade.

      Und welche “Vergewaltigung” meinst Du?

  • Sorry, aber das ist Käse mein Bester! Malte hat den Nagel auf den Kopf getroffen, was umso deutlicher wird, wenn man sich mal den Blogeintrag von dieser Aktivistin antut, die meiner Ansicht nach bestenfalls nicht ganz knusper ist, wenn sie wirklich findet, daß ihr von einer geschmacklosen Lampe Gewalt angetan wurde.

    • Nein Kiki! Das ist eben schon Macht ausüben, Definitionsmacht, wenn man einfach diese Verletzung als Weisse_r einordnet und wahlweise als “nicht knusper”, oder “zum kotzen” bewertet.

      Da Malte das auch gefragt hat, was mich das angeht: Ich bin mit Noah befreundet, und die Hinweise von ihr und Lantzschi müssen wir einfach mal aushalten, hinhören um nicht immer gleich beleidigt reagieren, das ist nämlich Pipifax ggü dem, was sie ertragen müssen.

  • Ich muss gar nichts aushalten. Ich kann mir das aussuchen, was ich beleidigend und verletzend finde, und was nicht. Es interessiert mich genauso wenig, was die beiden glauben, aushalten zu müssen, bzw. warum sie sich dafür entschieden haben, sich beleidigt zu fühlen, gerne auch mal stellvertretend. Man hat in meinem Leben bereits des öfteren versucht, mich zu beleidigen, sich über mein Geschlecht, meinen Namen, meine Hautfarbe, meine Religion oder auch meine sexuelle Orientierung zu mokieren. Und ich konnte und kann solche Leute nicht ändern. Ich kann sie armselig und lächerlich finden und sie ignorieren oder ich kann mich in einem fort angepisst, wütend, traurig fühlen und mich über ihr dummes Bla-bla ärgern – ich habe mich vor Jahrzehnten für die erste Möglichkeit entschieden und fahre damit ausgezeichnet.

    Wenn die beiden sich für die zweite Möglichkeit entschieden haben, dann ist das ihr gutes Recht, natürlich. Aber ich muss es nur tolerieren, a.k.a. ertragen, und nicht gut finden oder gar unterstützen. Und ich darf mich erheitert fühlen durch Worte wie „Privilegienpimmel“ und Lampen, die einem Gewalt antun.

    • Was erreichst du denn (auch gesellschaftlich) mit deiner als Toleranz getarnten Ignoranz, außer Genugtuung?

  • Ich hol den Kommentar von “Schoschie” mal hier rüber, weil ihn bezeichnend finde:

    Ich bin über einen Tweet auf diesen Artikel gelangt und war zunächst inhaltlich auf Seiten des Autors (Malte Welding), auch nachdem ich den Blogpost bei Noah Sow gelesen hatte.

    Meine erste Reaktion war nämlich: was für eine völlig übertriebene, hysterische, arrogante Reaktion! Nur weil jemand eine Abkürzung nicht kennt, und wegen einer häßlichen Lampe quasi wortlos gehen und die ganze Veranstaltung sausen lassen? Und noch dazu dieses »gewaltvoll« – gewaltvolles Bild, gewaltvolle Sprache: wie albern! Was ist denn daran bitte gewaltvoll?

    Doch dann habe ich die Kommentare unter Noah Sows Post gelesen, alle. Und dann den Artikel hier noch einmal, und ebenfalls alle Kommentare gelesen, bis gestern, als es noch weit unter 100 waren. Und so langsam begann etwas zu dämmern.

    http://www.malte-welding.com/2011/10/29/im-herzen-die-weiseste-von-allen/comment-page-5/#comment-8145

    • Den Kommentar habe ich auch gelesen, aber der hat einfach zu viele Macken. Das geht schon bei dem Thema duzen los. Er vermutet, sie fühlt sich beleidigt, weil sie ungefragt geduzt wurde und zwar nur deshalb, weil sie aufgrund ihrer Hautfarbe „weniger wert“ sein soll. Ja, hallo, geht’s noch? Ich für meinen Teil hasse es, ungefragt geduzt zu werden, aber ich käme im Traum nicht auf die Idee, das passiere, weil mich jemand als wertlos erachtet. Ich sehe das als das, was es ist: Ausdruck des Jugendwahns von mittlerweile der dritten Generation hintereinander, die nicht erwachsen werden will und sich z.B. mittels Duzens und penetranten Kleinschreibens gegen spießbürgerliche Konventionen auflehnt – meist ohne zu merken, daß sie in ihren eigenen spießbürgerlichen Konventionen gefangen sind, nur eben anderer Art.

  • @Norbert: Was sollte ich denn Deiner Ansicht nach gesellschaftlich erreichen?
    Sicherlich wäre es schön, gäbe es auf der Welt keine Rassisten, Machos, religiöse Fanatiker etc. Allein, es gibt sie und es wird sie immer geben. Ich sehe mich nicht in der Pflicht, diese Leute zu ändern, ich habe da keinen selbst erteilten Sendungsauftrag und schon gar nicht sehe ich, warum ich anderer erwachsener Leute Kämpfe ausfechten sollte. Insbesondere, wenn die mich in ihrem verquasten Weltbild vor ihren politischen Karren spannen und mich von vornherein mit Schuld beladen wollen, z.B weil ich weiss bin, oder Deutsche, oder, oder, oder. Vollends lächerlich wird es dann, wenn deren Fans – gemeinhin genauso weiss oder deutsch wie ich – diese fanatischen Stellvertreterkriege führen und mich mit derselben Erbschuld beladen sehen wollen, die sie sich selbst freiwillig aufgebürdet haben. Das Phänomen kann man ganz gut in den Kommentaren drüben beobachten.

  • es gibt dinge, die heißen “racism 101″s. da mal reinzugucken, würde ich empfehlen. dort kann man auch maltes und kikis “argumentation” 1 zu 1 nachlesen.

  • Diesen Artikel verstehe ich jetzt nicht. Malte hätte diesen Artikel nicht schreiben dürfen, weil er weiß ist, Mann und seinen dezenten Rant auf zwei Frauen formuliert, die auf eine Situation – dezent formuliert – überreagieren (und damit eben genau ihren Ideen für die sie stehen gar keinen Gefallen tun)?

    • “Nicht schreiben dürfen” geht da ja ein wenig weit. Er sollte sich aber bewusst darüber sein, dass er einen hämischen Text gegenüber einer Feministin und einer schwarzen Aktivistin als weißer Mann schreibt, und dass der Machtkontext in diesem Fall sofort und immer wirkt. Da spielt es keine Rolle, dass er ihn wahrnimmt oder nicht …

      Was er aus dieser Erkenntnis macht, ist dann seine Sache.

    • @creezy

      “…Malte hätte diesen Artikel nicht schreiben dürfen, weil er weiß ist…”

      Äh, ganz klares Nein. Malte hat einen komplett inkompetenten Artikel geschrieben, und der Grund für die Inkompetenz ist auch(!) das er weiß ist.

      Auch viele (aber leider noch zu wenige) Weiße schreiben viele gute Artikel über (Anti)rassismus, hier ist das aber definitiv nicht passiert.

      und zu

      “(und damit eben genau ihren Ideen für die sie stehen gar keinen Gefallen tun)”

      ich glaube ich habe diesen Link schon fast überall in die Diksussionen gestetzt, hier nochmal:

      http://asta.hs-fulda.org/news/veranstaltungen/685-ausgefallen-lesung-mit-noah-sow

      Kernsatz: “Wir bedanken uns dafür, dass Frau Noah Sow uns durch ihre konsequente Reaktion die Augen geöffnet hat.”

      Auch wenn die Stellungnahme jetzt inhaltlich nicht so sonderlich substanziell ist, zeigt sie doch das Frau Sow da einen Prozess in Gang gesetzt hat.

      Wo ist das Problem?

  • Vielleicht hilft dieser Artikel ein wenig:

    “Sich mit struktureller Dominanz, Privilegien und dem, was das mit mir selbst macht zu beschäftigen ist kein Ponyhof. Das Leben auf der anderen Seite der Hegemonie aber erst recht nicht. Wenn es um Gerechtigkeit gehen soll, müssen wir den Ponyhof verlassen. Dabei sind Abwehrreaktionen an der Tagesordnung.”

    http://www.iheartdigitallife.de/keine-baren-auf-dem-ponyhof/

    … den Punkt, Dich persönlich angegriffen zu fühlen überspringen, das ist der erste Schritt. Keiner hat hier irgendjemanden “persönlich” zum Rassisten erklärt.

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